Home-Chapel

Der zweite Pax-Christi-Gottesdienst, der infolge der Corona-Pandemie ausfällt. Zumindest als Live-Event im Pfarrsaal von Sankt Martin mit Drücken, Knutschen, dem Teilen von Gedanken, Brot und Wein. Eigentlich hatte ich mir ja ganz fest vorgenommen, nach dem vielen Geschreibe der letzten Wochen heute doch endlich mit dem „Aufräumen“ meiner „Sachen“ weiter zu machen, aber dann hat es mich doch gereizt, den Pax-Christi-Gottes doch wenigstens in meiner „Home-Chapel“ (Schreibtisch) zu feiern, zumindest was die liturgisch vorgesehenen Bibeltexte angeht. Wir befinden uns ja immer noch in der Osterzeit, und bekommen sogar zwei Evangelien vorgeschlagen. Natürlich Auferstehungsgeschichten. Ich will versuchen, nicht zu wiederholen, was ich schon in dem Text über „Tod und Auferstehung“ geschrieben habe.

 

 UNTERWEGS NACH EMMAUS

Lukas 24,13–35

oder:

Warum man auch noch von Helmut Kohl etwas für die Bibel lernen kann 

Im Großen und Ganzen ist die Geschichte als bekannt voraus zu setzen, aber im Kleinen und en Detail fällt mir doch noch Einiges auf.

Da sind also zwei Jünger unterwegs von Jerusalem nach Emmaus(lassen wir jetzt mal beiseite, ob es sich um einen Mann und eine Frau handelt). Es ist auch gut, dass sie nur zu zweit unterwegs sind. So gehört sich das ja auch heute. Wenn man den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts folgt.

„Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte.“ Das ist schon mal gut. Wenn sich einschneidende oder gar traumatisierende Ereignisse ereignen, dann soll man darüber reden. Nicht runter schlucken, sondern reden. Das kann helfen, zu verarbeiten und aus dem Loch heraus zu kommen. Lukas betont die Wichtigkeit dieses Verfahrens, indem er es in Form einer Wiederholung betont:

„Während sie noch miteinander redeten und ihre Gedanken austauschten…“ - Gedanken-austausch: ein wichtiger Bestandteil unserer monatlichen Gottesdienste. Wenn man sie austauscht, die Gedanken, kommt man vielleicht auch selbst „auf andere Gedanken“. Und denkt weiter, über den Horizont des eigenen Tellerrandes hinaus.

„… kam Jesus hinzu und ging mit ihnen.“ Miteinander mitgehen, Lebenswege und Gedanken-Gänge (!) miteinander zu teilen, ist enorm wichtig. Wenn du einen Menschen verstehen willst, musst du drei Monate in seinen Mokassins gehen. Eine alte indianische Weisheit. Dass sie jetzt zu dritt sind, mag dem RKI nicht gefallen. Andererseits gehör(t)en sie ja zu einem gemeinsamen Haushalt. Früher zumindest. Vor der Kreuzigung. Sogar mit Haushaltskasse. Kassenwart war Judas. Der Jesus verraten hat. Geld und Macht korrumpieren.

„Ich gehe in diesem Buch davon aus, das jeder Mensch käuflich ist. Er ist bereit, für materielle oder ideelle Belohnung etwas zu tun, was er aus eigenem Antrieb niemals tun würde. Jeder Mensch ist also durch andere in seinem Verhalten zu deren Zwecken beeinflussbar, wenn man ihm nur genug für sein verändertes Verhalten bietet. Jeder Mensch ist also käuflich. Und nur die Preise – nach Höhe und Art – unterscheiden die Menschen.“ (Rupert Lay SJ, Manipulation durch Sprache, München 1977)

Aber vielleicht wollte Judas ja auch nur die in seinen Augen zelotische Kriegs-Haushalts-Kasse für den Kampf um das Reich Gottes aufbessern und dann ist ihm die Sache aus dem Ruder gelaufen. Es  läuft einem ja manches aus dem Ruder im Leben. Selbst im Einsatz für eine gute Sache oder das was man dafür hält.

„Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen und erkannten ihn nicht.“ Was die beiden nicht von uns unterscheidet. Hilfreich wäre in diesem Fall eine Konsultation von Matthäus 25,31-46. Aber die  Stelle kannten die beiden ja noch nicht, gerade mal drei Tage nach der Kreuzigung. Wir kennen Matthäus, sind aber, will mir scheinen, oft genug immer noch mit Blindheit geschlagen. Ursache dieser Blindheit ist übrigens der uns auch wohl bekannte Balken im eigenen Auge. Worüber sich auch (sie erkannten ihn nicht) erkenntnistheoretisch sprechen ließe. Wittgensteins Satz, die Grenzen meiner Sprache seien die Grenzen meiner Welt, abgewandelt, ließe sich sagen, die Grenzen meines Balkens im Auge seien die Grenzen meines Erkennens von Welt.

„Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr da miteinander redet?“ Super Frage! Man solle immer „offene Fragen“ stellen, lernt man in jeder ersten Stunde eine Kommunikationskurses! Hatte Jesus auch schon drauf.

Die Jünger antworten mit einer Gegenfrage: „Bist du fremd und weißt nicht, was in Jerusalem geschehen ist?“ Vielleicht waren die beiden Jünger Früh-Jesuiten? Warum? Dazu ein Witz mit langem Bart:

Zwei Männer sitzen in einem Zugabteil. Der eine trägt komplett schwarz, über seinen schwarzen Pullover ist ein weißer Hemdkragen geknickt. Fragt der andere: „Entschuldigung. Sind Sie vielleicht Priester?“ Der Schwarze: „Warum?“ Wieder der andere: „Sind Sie vielleicht sogar Jesuit?“ Der Schwarze: „Wie kommen Sie darauf?“ Der andere: „Weil ich gehört habe, dass Jesuiten nie antworten, sondern immer Gegenfragen stellen.“ Der Schwarze: „Von wem haben Sie das gehört? 

Jesus: „Nö. Erzählt doch mal…“ Man muss die Menschen ihre Geschichte erzählen lassen! Vor allem die über ihre Verletzungen und Verwundungen. Sie können ein Lied davon singen. Wobei ich wieder bei Joseph Beuys und seiner Installation „Zeige deine Wunde“ bin.

Die Jünger: „Jesus von Nazareth … ein Prophet … gekreuzigt … wir aber hatten gehofft, dass er Israel erlösen werde.“ Die ganze Geschichte Jesu und die Debatte über die Interpretation der selben in einem Satz! Bravo, Lukas! War Jesus nur „ein Prophet“ oder vielleicht doch „der, der Israel erlösen werde.“ Also der: Messias. Darüber musste man sich ja erst mal klar werden. Alles eine Interpretationssache. Um zum zigstenmal Konfuzius zu zitieren: „Wir müssen die Begriffe richtig wählen, sonst ist das Gesagte nicht das Gemeinte.“

Die Jünger: „Die Frauen haben uns in helle Aufregung versetzt … leeres Grab! … Engel erschienen … gesagt, dass Jesus lebe.“ Ja das kann einen aber auch aufregen! Da bleibt ja kein Stein auf dem anderen. Erstens nicht der am Eingang der Grabeshöhle, und zweitens keiner der Steine unserer Gedankengebäude, die wir uns über Gott und die Welt so zusammengebaut haben. Das ganze rund um die Frauen, das Grab und die Engel scheint ebenso erschütternd wie faszinierend zu sein. Weshalb Rudolph Otto in seiner Relgionsphilosophie das Heilige auch als „tremendum und fascinosum“ bezeichnet. Da ist man hin und her gerissen: Erschütterung oder Faszination? Prophet oder Messias, Mausetot oder Lebendig? Noch mal Joseph Beuys: „Man muss den Sinnen etwas zum Staunen bieten, damit das Hirn ans Denken kommt.“ Weshalb die Evangelisten rund um die Auferstehung ja auch solche „Sinnlichkeiten“ erzählen. Damit das Hirn ans Denken kommt. Auch wenn es zuerst denkt: „Was‘n Blödsinn?!?“ Wenn es dabei stehen bleibt, denkt es zu kurz. Also weiter denken. „Vorwärts immer, rückwärts nimmer.“ -  alte proletarische Kampfparole von Erich Honecker, die aber auch für „Arbeiter des Denkens“ gelten sollte. Weil man sonst nicht „weit genug“ kommt. Nicht mit der Welt und erst recht nicht mit Gott.

Wobei das mit dem „rückwärts nimmer“ relativ zu sehen ist. Weshalb Honeckers Denken dann letztlich auch gescheitert ist. In Theorie und Praxis. Manchmal muss man auch rückwärts denken, um vorwärts zu kommen. Das nennen wir heute „Erinnerungskultur“. Jesus wusste das: „Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und den Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.“ Jesus als „Hermeneut“ seiner eigenen Lebens- und Todesgeschichte.

 

„Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten.“ Hätten die Jünger damals Helmut Kohl, von dem dieser Satz stammt, schon gekannt, wäre ihr Weg nach Emmaus vermutlich von Angang an nicht so düster und gedrückt gewesen. Aber dafür hatten sie ja Jesus. Wobei ihnen auch angesichts des mit der „Mose-und-Propheten-Brille“ gelesenen „Schicksals“ Jesu noch nicht die Augen aufgeben. Will sagen, dass einem manchmal noch nicht einmal dann die Augen aufgehen, wenn man mit der Nase auf etwas gestoßen wird.

 

Matthäus klärt das Problem mit der notwendigen Rückbesinnung in seinem Evangelium übrigens anders. Statt dass auf einem Emmausweg, von dem er auch gar nichts zu erzählen weiß, die Geschichte Jesu anhand des Mose und der Propheten neu „nacherzählt“ würde, heißt es bei ihm immer dann, wenn Jesus was bedeutendes getan oder gesagt hat, im nächsten Satz: „Dies aber geschah, damit sich die Schrift erfüllt…“, manchmal sogar spezifisch: „Dies geschah, damit sich das Wort des Propheten erfüllt…“. Was Matthäus also sozusagen mit „Fußnoten“ löst (und damit dem Schicksal eines Karl Theodor zu Guttenberg entgeht), löst Lukas mit einem Nachwort. Oder besser: eines bibelgeschichtlichen Osterspaziergangs statt eines Nachworts. Gehen tut beides.

 

Ist schon spät geworden auf diesem Weg nach Emmaus. Zuhause angekommen, drängen die zwei den immer noch unerkannten Dritten, zu Abend und zu Nacht zu bleiben.

 

„Und als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen. Dann gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten ihn. Dann sahen sie ihn nicht mehr.“

 

Wenn ihnen jetzt nicht die Augen aufgegangen wären, wären sie aber auch wirklich blind wie ein Maulwurf gewesen! Oder der eine blind wie ein Maulwurf und der andere ein Blindfisch.

Wer Michael Ende‘s „Unendliche Geschichte“ oder auch Jostein Gaarders „Sophies Welt“ kennt, kennt auch die literarische Figur, dass sich der Leser eines Textes plötzlich als Akteur in einem Text wiederfindet, den er gerade liest. Was hat das mit dieser Geschichte zu tun? Nun: Die Jünger erken-nen sich als Beteiligte und damit Jesus als Akteur in diesem Emmaus-Geschehen in dem Text wie-der, den Lukas kurz zuvor geschrieben hat: „Er nahm das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen.“ So, wortwörtlich und wortgleich, in Lukas Erzählung vom Abendmahl vor der Kreuzigung (Lukas 22,19). Was hier sich hier, nach der Kreuzigung und dem ganzen Tohou-wabohou rund um ein leeres Grab und Frauen und Engeln, wortgleich und tatgleich wiederholt. Deshalb auch, ebenfalls in Lukas 22,19: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“.

 

 

 

 

IMMER NUR BROT UND FISCH

oder

Wie der Auferstandene am Ort der Arbeit erscheint und die Jünger die Songs von Chris Rea, Peter Gabriel und Dave Rogers singen

 

Je nach liturgischem Jahresverlauf kann am heutigen Dritten Sonntag in der Osterzeit noch ein anderes Evangelium auf dem „Tisch des Wortes“ gelangen. Das ist in diesem Fall die Geschichte von der Erscheinung des Auferstandenen am See Tiberias, wie sie im Johannes-Evangelium im Kapitel 21, Verse 1–14 erzählt wird.

Petrus und ein paar andere Jünger sind wieder in der Fischereiwirtschaft am See Tiberias beschäf-tigt. Sozusagen in der „neuen Normalität“, nachdem aus der zwischenzeitlichen und kurzfristigen Perspektive mit der Menschenfischerei nichts geworden war. Das messianische Start-Up war gründlich gegen die Wand beziehungsweise ans Kreuz gefahren. Was also besser, als das zu tun, worauf man sich versteht. Fischefischerei statt Menschenfischerei. Alles andere gäbe ja auch keinen Sinn. Nicht mal der Zungenbrecher. „Fischers Peter fischte frische Menschen…“. Da bricht sich doch keiner die Zunge. Aber „Fischers Fritze fischte frische Fische…“, da bricht man sich schon fast die Finger, wenn man‘s in den Computer tippt!

Da sitzen sie also und starren Löcher in die Luft. Bedrückende Stille am See Tiberias. Der Wind pfeift über den Sand. Wie in einem Italowestern. Spiel mir das Lied vom Tod. Nach einer gefühlten Unendlichkeit bricht Petrus das Schweigen: „Ich gehe fischen.“ Und geht zaudernd zum Boot, auf den Lippen ein leises Lied von Chris Rea: „I‘m going fishing, I got me a line,nothing I do is gonna make the difference, so I‘m taking the time.“ Genau: Fischen beruhigt und bringt wieder Linie in das aus der Spur geratene Leben. Menschenfischerei. So‘n Blödsinn. Und, ebenfalls wie im Western, die anderen Jünger: „Wir kommen auch mit.“

Die ganze Nacht über fischen sie hier und fischen sie da und fischen und fischen und fischen, aber sie fischen nichts. Jetzt singen sie gemeinsam: „Some days there just ain‘t no fish“, von den King-Sisters (1947).

„Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.“ Wohin man blickt: Blindfische! Ob bei Lukas oder jetzt hier bei Johannes. Blind wie die Maulwürfe! Vielleicht haben sie auch deshalb nichts gefangen: weil sie nicht richtig gucken können.

Ein kurzer Wortwechsel. Jesus: „Habt ihr nix zu futtern?“ Die Fischer unisono: „Nee! Siehste doch! Frag nicht so blöd! Oder willst du uns provorzieren?“ Restringierter Code. Was will man von Fischern auch anderes erwarten. Jesus: „Nee, aber coachen. Ich hab nen Fischereicoaching-Schein.“ Das hätte jetzt auch schiefgehen können. Wie damals schon, als Jesus den Jüngern und Schriftgelehrten gleichermaßen naseweise Kinder als Vorbild hinstellte. Das kam nicht gut. Und wenn besserwisserische Laien Profis mir jahrzehntelanger Berufserfahrung gutgemeinte Vorschläge machen, ruft das, wie wir wissen, bei den Profis für gewöhnlich auch ungeahnte Reaktionen hervor.

Also wieder raus aufs Meer. Fischer und Seeleute haben immer ein Lied auf den Lippen. Zum Beispiel „Wir lieben die Stürme, die brausenden Wogen.“ Aber Petrus und seine Jungs haben noch mehr im Repertoire: „The second time is so much better, baby, And I make it better than the first time.“ (Shalamar, Second Time Around, Youtube).

Und das Netz wurde so voll, dass sie es nicht wieder einholen konnten. Aber es riss nicht. Was hingegen platzte, war die „Blase des Nichterkennens“.

„DA sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr.“ Und ruck-zuck zieht sich Petrus das Obergewand an,weil er nackt war. (Wir erinnern uns hier kurz an die Geschichte mit Gott und Adam im Paradies. Adam: Ich habe dich im Garten kommen hören und geriet in Furcht. Und da ich nackt war, versteckte ich mich. Gott: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du etwas von dem Baum gegessen, von dem zu essen ich dir verboten habe? - Genesis 3,10-11)

 „Und Petrus sprang in den See.“ (Wir erinnern uns hier kurz an die Geschichte im Matthäus-evangelium. Die Jünger im Boot auf dem See. Schwere See. Da „seewandelt“ Jesus hin zu ihrem Boot. Sie meinen, es sei ein Gespenst. Jesus: Ich bin es. „Da stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu. Als er aber sah, wie heftig der Wind war, bekam er Angst und begann unterzugehen.“)

Der nachösterliche Petrus bei Johannes ist aus vorösterlichem Schaden offenbar klug geworden. Weil er verstanden hat, dass es Menschen nicht gegeben ist, auf dem Wasser zu gehen, wohl aber im Wasser zu schwimmen. Wieder mit einem Lied auf den Lippen, diesmal: „I go swimming“ von Peter Gabriel. Dass man sich dafür auch noch Klamotten anziehen muss, kenne ich eigentlich nur aus der Zeit, wo ich bei der DLRG meinen Rettungsschwimmerschein gemacht habe. Beim Kleinen Seepferdchen habe ich mich auch noch gefühlt wie der Petrus im Matthäusevangelium.

Als sie alle an Land sind, trauen sie ihren Augen kaum. „Da brat mir doch einer einen Storch!“, sagen sie zueinander. „Sie sahen am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot.“ Und fingen sogleich an zu singen: „Campfire Song“ von SpongeBob.

„Jesus nahm das Brot und gab es ihnen. Ebenso den Fisch.“ Boah nee ey, schon wieder Brot und Fisch!

Warum schon wieder? Darum: „Jesus nahm die Brote … und gab sie den Leuten. Ebenso machte er es mit den Fischen.“ (Johannes 6,11 – die Geschichte von der „Wunderbaren Brotver-mehrung“, 15 Kapitel früher).

Ein klares „Déja vu“! So ähnlich wie beim Brotbrechen in Emmaus, wenn auch ein bisschen anders. Woraufhin die Fischer schon wieder in ein Lied einstimmen: Déja vu von Dave Rodgers: „See your body in the moonlight. Even if I try to cancel all the pictures into my eyes. Déja vu. I‘ve been in this time before!“

Bemerkenswert: Johannes kennt in seinem Evangelium ja keinen Abendmahlsbericht, sondern nur den Bericht von der Fußwaschung. Lukas konnte mit dem „Medium“ des Brotbrechens den Auferstehungs-und-Wiedererkennungs-Bogen vom Abendmahlssaal nach Emmaus schlagen. Hätte Johannes das auch machen wollen, hätte Jesus den Fischern am See von Tiberias die Füße waschen müssen. Aber Johannes wählt einen anderen Bogen: den von der vorösterlichen „Speisung der 5000“ mit Brot und Fisch (hab‘s gerade noch mal nachgeschaut, und, eiderdaus, auch am See Tiberias!) der Jünger am See Tiberias mit Brot und Fisch.

Was aber Lukas und Johannes gemeinsam ist: Im „Teilen“ des Lebens wird der Auferstandene (wieder-) erkannt. Weshalb die Jünger schon wieder anfangen zu singen: „Wenn das Brot das wir teilen als Rose blüht und das Wort, das wir sprechen als Lied erklingt, dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt. Ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht in der Liebe die alles umfängt.“

„Haus“ heißt auf Griechisch „Oikos“, woher sich unser schönes Wort „Oikonomie“ herleitet. Wenn wir in „unserem gemeinsamen Haus“ (Papst Franziskus) eine „Ökonomie des geteilten Brotes“ und wegen meiner auch noch des geteilten Fisches praktizieren, dann kann diese Ökonomie von einer, die tötet, zu einer werden, in der „Gott schon in unserer Welt ist“. Anders und woanders werden wir sein Angesicht nicht schauen.

 

Idstein 25.04.2020, Günter Harmeling

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Statt pax christi-Gottesdienst

Infolge der Corona-Versammlungsverbote fällt unser monatlicher Gottesdienst aus. Hier ein Impuls von Günter Harmeling. Der Theologe ist Mitglied der Idsteiner pax christi-Gruppe. Als pensionierter Krankenpfleger arbeitet er derzeit aushilfsweise in einer Klinik in Frankfurt/Main. Ein Beitrag von ihm ist auch in der letzten Ausgabe unserer Zeitschrift zu lesen.