pax christi-Friedensarbeiter

M. Blöser bei Demo

Friedensarbeiter Matthias Blöser protestiert beim Ostermarsch 2012 in Bruchköbel mit einem "Holzpanzer" gegen den Export von Leopard 2-Panzern nach Saudi-Arabien. Foto: Egon Jöckel.

1997 schuf der Förderverein rund um die pax christi-Bistumsstelle Limburg eine Arbeitsstelle, die die Friedensarbeit professionell unterstützen soll. Erster Friedensarbeiter in dem neuen Büro in Bad Homburg wurde Christoph Diringer. Im Jahr 2001 wechselte dieser zum Katholischen Bildungswerk. Daniel Steiger aus Lahnstein wirkte fünf Jahre lang als sein Nachfolger. Von 2007 bis Herbst 2008 war Benita Suwelack Friedensarbeiterin, Dominic Kloos folgte ihr im Frühjahr 2009, bis er im Juli 2011 zum Ökumenischen Netz Rhein-Mosel-Saar nach Koblenz wechselte. Seit August 2011 nimmt Matthias Blöser die vielfältigen Aufgaben als Friedensarbeiter wahr.

Die Arbeitsschwerpunkte unserer FriedensarbeiterInnen umfassen regelmäßig anfallende Tätigkeiten wie Trainings zur gewaltfreien Konfliktbearbeitung, Netzwerkarbeit u.a. in der Projektgruppe zivile Konfliktbearbeitung Rhein-Main, Fundraising und Öffentlichkeitsarbeit, die Vorbereitung und Durchführung der alljährlichen Aktion "Wanderfriedenskerze" sowie die Planung und Durchführung von aktuellen Veranstaltungen und Aktionen. Ein wichtiger aktueller Arbeitsschwerpunkt ist die Kampagne gegen Rüstungsexport "Aktion Aufschrei - Stoppt den Waffenhandel".

Interview mit Friedensarbeiter Matthias Blöser

Matthias, du bist Friedensarbeiter bei pax christi. Das ist kein gewöhnlicher Job. Was tust du genau?

Ein wichtiger Punkt ist die Netzwerkarbeit. pax christi arbeitet in vielen verschiedenen Projekten mit anderen Initiativen aus der Region zusammen. Beispiele sind die Projektgruppe Zivile Konfliktbearbeitung, die im Jahr vier Veranstaltungen organisiert, oder die Arbeitsgruppen der »Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!« Rhein-Main. Ich bin viel unterwegs, um mit den anderen Gruppen Veranstaltungen vorzubereiten oder auch pax christi-Basisgruppen zu besuchen. Ich sitze aber auch viel am Schreibtisch und erledige dort ganz normale Büroarbeiten, die auch ein wichtiger Teil meiner Arbeit sind. Insgesamt sehe ich meine Hauptaufgabe darin, die ehrenamtlich Mitarbeitenden zu unterstützen.

Welche Fähigkeiten und Qualifikationen sollte man mitbringen, um ein guter Friedensarbeiter zu sein?

Wichtig ist vor allem Organisationstalent. Im Friedensbüro laufen die Fäden zusammen, da muss man als Friedensarbeiter den Überblick behalten. Man sollte sich in neue Themenbereiche einarbeiten und in verschiedenen Strukturen schnell zurechtfinden können. Und man muss strategisch und vorausschauend denken, wenn man Veranstaltungen und Aktionen plant. Zudem hat man mit vielen unterschiedlichen Menschen zu tun, was ich persönlich toll finde. Hier ist es wichtig, dass man eine große Offenheit mitbringt. Gut ist es, wenn man sich vorher schon kirchlich oder friedenspolitisch engagiert hat und so auch das fachliche Wissen besitzt. Mein Studium der Politikwissenschaften mit Friedens- und Konfliktforschung und Volkswirtschaftslehre als Nebenfächern ist für mich von großem Vorteil. Aber auch die Lehre zum Bankkaufmann, die ich vor dem Studium absolviert habe, ist hilfreich, wenn ich Finanzanträge schreiben und Abrechnungen erledigen muss.

Was gefällt dir besonders gut an der Arbeit?

Meine Motivation hängt stark mit der Sinnfrage zusammen. Als Banker habe ich gemerkt, dass diese Arbeit für mich keinen Sinn macht. Studiert habe ich dann zunächst aus ehrlichem Interesse. Dabei hatte ich nicht gleich den Wunsch, Friedensarbeiter zu werden. Aber mir war klar, dass ich eine sinnstiftende Tätigkeit ausüben möchte. Jetzt habe ich das Gefühl, jeder Teil meiner Arbeit trägt, auch wenn es nur ein ganz kleiner Beitrag ist, zu einer friedlicheren Welt bei. Das finde ich erfüllend. Außerdem glaube ich, dass ich in einer privilegierten Position bin, weil ich mein Engagement zum Beruf machen konnte. Auch vorher war ich schon politisch aktiv und habe mit Organisationen zusammengearbeitet, mit denen ich jetzt beruflich zu tun habe.

Das klingt bisher alles sehr positiv, aber ­sicherlich gibt es auch Schwierigkeiten, oder?

Eine große Schwierigkeit ist das Zeitmanagement. Man muss lernen, Prioritäten zu setzen, und auf Projekte verzichten, auch wenn sie interessant sind. Wenn man sich überall beteiligt, leiden die einzelnen Projekte. Eine weitere Herausforderung ist es einzuschätzen, was realistisch geleistet werden kann. Die meisten ehrenamtlichen pax christi-Mitglieder sind berufstätig, viele haben eine volle Stelle. Jeder kann nur so viel mitarbeiten, wie es zeitlich möglich ist. Als Hauptamtlicher habe ich mehr Möglichkeiten, aber ohne die Ehrenamtlichen kann pax Cchristi-Arbeit nicht funktionieren. Zudem muss ich zugeben, dass pax christi würdevoll, aber eindeutig ergraut. Es gibt zurzeit noch viele Menschen, die aktiv sind, teilweise schon seit Jahrzehnten, aber es stellt sich die Frage, wie es in Zukunft weitergehen kann. Meine Hoffnung ist, noch mehr junge Menschen für die Idee des Friedens Christi und die aktive Mitarbeit gewinnen zu können.


Gibt es denn Projekte speziell für Jugend­liche und junge Erwachsene?

Junge Erwachsene können natürlich bei allen Projekten mitmachen und tun dies teilweise auch schon bei der Aktion Aufschrei gegen den Waffenhandel oder den Friedenswegen mit dem Fahrrad. Ein spezielles Projekt für junge Leute ist »Global bewegt«. Zusammen mit Studierenden, RückkehrerInnen von Freiwilligendiensten und anderen Ehrenamtlichen organisieren wir in Mainz und Frankfurt Aktionswochen zu Themen wie Fair Fashion und Rüstungsexport. Innerhalb der Aktionswochen gibt es viele verschiedene Angebote. Man kann zwischen Film- und Theatervorstellungen, Vorträgen, Diskussionsrunden, Aktionsworkshops, Gottesdiensten oder auch mal einer Modenschau mit fair gehandelter Kleidung entscheiden.

 

 

Friedensarbeitsbüro

Matthias Blöser

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