Am Anfang stand eine Grenzüberschreitung

Während des zweiten Weltkrieges haben deutsche Soldaten auch Frankreich besetzt und das System des Nationalsozialismus dort installiert. Viele Franzosen gingen damals in den Widerstand, viele resignierten, viele passten sich an. Die Mutigen riskierten Haft, Folter und Tod. Einer von Ihnen war der Bischof Pierre Marie Theas. Er war 1943 von Deutschen inhaftiert worden weil er gegen die Verschleppung von Juden protestiert hatte. Als er 1944 befreit wurde, rief er zur Versöhnung mit den Deutschen auf. In seiner Gefangenschaft forderte er - vor einer Eucharistiefeier - von seinen französischen Mitgefangenen den Deutschen zu verzeihen. "Das Evangelium lässt uns keine andere Wahl." So seine Antwort gegenüber empörten Freunden.

Als im November ein jungen Kapuzinerpater aus englischer Kriegsgefangenschaft entlassen wurde und im Saarland Station machte, bekommt er von einem Freund einen Packen Flugblätter zugesteckt. Ungesehen und in großer Gefahr zu Toilettenpapier zerschnitten zu werden, gelangt der Papierstapel nach München.

Dort entdeckt der junge Mann - es ist Pater Manfred - welchen Schatz er gehoben hat. Die Blätter enthalten Bischof Theas´ Manifest: " Wir wollen beten für die Brüder in Deutschland". Unterschrieben hatten noch weitere 40 französische Bischöfe.

Unfassbar aber fasszinierend: Frieden durch Versöhnung. Es ließ Pater Manfred nie wieder los. Alte Freunde aus seiner Jugenarbeit schreibt er an und versucht seine Begeisterung zu teilen. Er hat Erfolg damit und macht weiter. Er wirbt für eine Friedensbewegung.

Theas ist mitlereweile Bischof von Lourdes  und lädt zu einem Treffen ein mit dem Arbeisttitel: PAX CHRISTI. Manfred macht sich mit 16 Freunden auf den Weg dorthin. Das war 1947.

Ein Jahr später zeigt sich die Wirkung einer zukunftsweisenden Idee. In Kevelaer am Niederrhein findet der erste internationale Pax Christi-Kongress statt. Hautpredner: Manfred Hörhammer.

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Die Zeit der Auschwitz-Prozesse

Der Pax Christi Arbeitskreis im Dekanat Königstein hat im Jahre 1967 jüdische und polnische Menschen betreut, die im Frankfurter „Auschwitz-Prozess“ als Zeugen geladen waren.  Hier waren Personen angeklagt,  als Bedienstete in Konzentrationslagern andere Menschen geschunden, gequält und umgebracht zu haben.  Während die Angeklagten z.T. wirklich clevere Anwälte hatten, traten die Zeugen oft eingeschüchtert und mit großen Gedächtnislücken vor Gericht. Gegen ihre Traumata wurde wenig oder gar nichts getan. Oft wurden sie als Lügner bezichtigt  und angeschrien. Die Pax Christi-Leute des Königsteiner Arbeitskreises luden sie zu sich nachhause ein und bereiteten ihnen ein Umfeld in dem sie sich erholen und entspannen konnten, soweit das in Deutschland möglich war. Und eigentlich war man daran interessiert die persönliche Geschichte dieser Leute zu hören und zur Kenntnis zu nehmen. Vergangenheitsbewältigung – ein Wort, das die Elterngeneration davor oft in Weißglut brachte, wurde hier konkret praktiziert. 

Was oft zuhause so harmlos klang – die Erzählungen vom Krieg – auf einmal schockierten sie. Die Perspektive der Opfer.

Eine Person hieß Jan Weiß, auch er war Pole. Er wohnte 6 Wochen bei Freunden im Hause. Die ersten Wochen sprach er praktisch nichts. Kam immer nur „nachhause“ und konnte seine Belastungen nicht offenbaren. Versteinerung. Auch noch nach Jahren. Später bewegte sich etwas.  Er erzählte. Er war Leichenträger in Auschwitz - erzwungenermassen. Und – er musste seinem eigene Vater die Giftspritze verpassen. 

Eine andere Frau – sie sass eines Abends am Abendbrot-Tisch bei anderen Freunden als ich hereinkam, und es war richtig gemütlich. Man war offensichtlich gut gelaunt und hatte schon eine Flasche Wein auf dem Tisch stehen.  Ich interessierte mich für sie und irgendwann, mitten im Gespräch, sagte sie: die haben mir Zementlösung in die Vagina gespritzt. Nur das. Das wars.

Auch heute spüre ich noch wie dieser Satz sich für mich damals anfühlte. Ich war 19 Jahre alt und politisch naiv. Der Zaun um mein Paradiesgärtlein fiel in diesem Augenblick leise um.
(rg)

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pax christi Mitgliedskarte aus den 60er Jahren
Auch das gab es: eine Mitgliedskarte aus den 60er Jahren