26.03.2020

Zum 40. Jahrestag der Ermordung Oscar Romeros

Gottesdienst und Impuls zum Gedenken an den am 24.3.1980 in San Salvador ermordeten Erzbischof Oscar Romero.

Gedanken und Texte der Basisgruppe Eschborn

Als sich die Kirche nach dem 2. Vatikanischen Konzil ein wenig öffnete, geriet unser Blick nach Latein- und Mittelamerika nach Nicaragua zu Ernesto Cardenal und nach El Salvador zu Erzbischof Oscar Arnulfo Romero. Die Option für die Armen kam in unserem Blick, die Theologie der Befreiung befreite auch uns ein wenig.

Viele Menschen, auch wir in der Gemeinde Christ-König Eschborn setzten unsere Hoffnung auf diesen Aufbruch in der Kirche.  Mitglieder unserer pax christi Basisgruppe regten eine engere Beziehung mit der Slumgemeinde in San Salvador, Madre de los Pobres, an. Seither besteht seit über 30 Jahren unsere lebendige Partnerschaft. Als Basisgruppe waren wir mehrmals gemeinsam dort. Viele Gemeindemitglieder, vor allem jüngere, tragen diese Partnerschaft mit. Gemeinsam verbindet uns sehr innig Oscar Romero, „Ihr heiliger Romero“, den sie schon lange vor der offiziellen Heiligsprechung durch Papst Franziskus heiliggesprochen hatten.

An vielen der 40 Gedenktage waren wir zum Todestag Romeros nach El Salvador geflogen, um mit den Menschen dort ihres Erzbischofs zu gedenken. Dieses Jahr hat es leider nicht geklappt. Am Jahrestag gestalten wir stets einen Gemeindegottesdienst.                                  

Ilse Liebetanz

 

>Gedanken und Texte von Mitgliedern pax christi-Basisgruppe und Salvador-Kommission der Gemeinde Christkönig Eschborn finden Sie in diesem Romero-Gottesdienst.

 

Impuls von pax christi-Mitglied Wolfgang Werner:

Etwas fällt „wie Schuppen von den Augen“ - kennen wir das nicht?

Heute vor 40 Jahren wurde Erzbischof Oscar A. Romero während einer Hl. Messe in San Salvador ermordet*.

Das gängige Bild von ihm: Er habe eine „Bekehrung“ vom Freund der Reichen zum Menschenrechtsverteidiger vollzogen, und zwar nach der Ermordung seines Freundes Pater Rutilio Grande SJ**. Romero selber sprach lieber von einer „Heimkehr“ zu seinen Wurzeln: Während des Studiums in Rom und langjähriger Tätigkeit in bischöflichen Sekretariaten habe er sich eine eigene Welt geschaffen - bis er als Bischof von Santiago de Maria wieder mehr direkten Kontakt zu den Armen bekam, obgleich er deren Lebenslagen doch von klein auf kannte! Rutilios Tod schließlich habe ihm „die Augen geöffnet.“***

„Wie Schuppen von den Augen“ - Was wir plötzlich erkennen, lag bereits zuvor in unserem Blickfeld, doch wir sahen es nicht. Woran kann das liegen?

In der Geschichte vom Barmherzigen Samariter kommen zunächst zweimal fromme Leviten an dem Opfer eines Raubüberfalls vorbei – zweimal heißt es: „Er sah ihn und ging vorüber“ (Lk 10, 31.32).

Der Tempeldienst nach Vorschrift erscheint wichtiger… (und heute womöglich: Die Organisation eines Familien- oder Gemeindefestes oder Firmkurs... Hausbau, Autokauf… ein cooles Posting?)

Jesus kommentiert dies mit den Worten des Propheten Jesaja: „Hören werdet ihr, aber nicht verstehen; sehen sollt ihr, sehen, aber nicht erkennen. Denn das Herz dieses Volkes ist hart geworden...“ (Mt 13, 13ff., nach Jes. 6,9f.)

Wenn wir nicht richtig wahrnehmen, liegt es nicht an Defekten im Auge oder Gehör, sondern an Verhärtungen im Herzen!

Auf die Fürsprache des heiligen Oscar Romero: Möge der Herr uns Augen, Ohren und Herz öffnen.

 

*Der Killer wurde in einem Auto zur Krankenhauskapelle gefahren und schoss mit einem Präzisionsgewehr durch deren offene Tür. Die Auftraggeber saßen in den höchsten Positionen der Politik und des Großgrundbesitzes. Romero ist einer von über 70.000 Menschen in dem kleinen Land, die im Bürgerkrieg Opfer von „Verschwindenlassen“, Folter und Mord wurden.

**Erst wenige Tage war Romero im Amt als Erzbischof von San Salvador, als er in das Dorf El Paisnal gerufen wurde. Dort stand er erschüttert vor den Särgen von Pater Rutilio Grande SJ, dem Küster Manuel (70 Jahre) und dem Messdiener Nelson (16). Auf dem Weg zur Abendmesse war das Auto mit den drei Personen von Maschinengewehren durchsiebt worden. In diesem Moment, so berichtet Romero, seien ihm „die Augen geöffnet“ worden. Hegte Romero zuvor Skepsis gegen Rutilios pastorale Tätigkeit mit der armen Landbevölkerung, wurde ihm nun klar: Glaube kann nicht unpolitisch sein in dieser Situation schwerster Gewalt und Ungerechtigkeit - wer schweigt, stimmt zu! (… wie ich z.T bereits im Impuls I schrieb …)

***vgl. ausführlich MAIER, Martin: Oscar Romero. Meister der Spiritualität. Freiburg i.Br. 2001 (inzwischen gibt es eine überarbeitete Neuauflage, m.W. auch mit verändertem Titel...)

Wolfgang Werner


Suche nach News

Bitte geben Sie einen Suchbegriff ein.

Nachrichten

Auf der Startseite des Webauftritts von pax christi Rhein-Main finden Sie aktuelle Termine.