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Rhein-Main | Regionalverband Limburg-Mainz
pax christi
Ausgabe 1/2/2019 • Oktober
Internationale Katholische
Friedensbewegung
Mit einer Lüge begann vor achtzig Jahren das,
was dann zum Zweiten Weltkrieg wurde.
»Polen hat heute zum ersten Mal auf un-
serem eigenen Territorium auch mit bereits
regulären Soldaten geschossen«, erklärte der
»Führer und Reichskanzler« Adolf Hitler am
1. September 1939 vor dem Reichstag. »Seit
5 Uhr 45 wird heute zurückgeschossen, und
von jetzt ab wird Bombe mit Bombe vergol-
ten.« Tatsächlich war der vermeintliche Über-
fall Polens auf den Sender Gleiwitz von den
Nazis inszeniert, die diesen Krieg wollten
und planmäßig vorbereiteten.
3. Februar 1933: Hitler spricht vor hohen
Wehrmachtsozieren von der Eroberung
neuen Lebensraums im Osten. 15. März 1935:
In Deutschland wird vertragswidrig die Wehr-
pflicht neu eingeführt. 7. März 1936: Deut-
sche Truppen marschieren ins entmilitari-
sierte Rheinland ein. 13. März 1938: Öster-
reich wird als »Ostmark« dem Deutschen
Reich einverleibt. 1. Oktober 1938: Deutsche
Truppen besetzen das zur Tschechoslowakei
gehörende Sudetenland. Nur eines war neu
1939: Die mit Polen verbündeten Westmäch
-
te England und Frankreich reagierten erst-
mals und erklärten Deutschland ihrerseits
den Krieg, der dann zum Weltkrieg wurde.
»Gott mit uns« hieß es auf dem Koppelschloss
der Soldaten. Von kritischen Fragen der ka-
tholischen Kirche, laut oder leise, ist nichts
bekannt. Zwar rechtfertigten die Bischöfe
den Krieg nicht ausdrücklich, aber Zweifel
War Gott mit uns?
Liebe Leserin, lieber Leser!
»Zynische Ignoranz«, das ist der einzige
Begri, der mir einfällt, wenn ich die
aktuelle Politik der Bundesregierung
wahrnehme. Auf den völkerrechts-
widrigen Angriskrieg des Nato-Part-
ners Türkei auf die syrischen Kurdinnen
und Kurden wird noch nicht mal mit
der Beendigung aller Rüstungslieferun-
gen, geschweige denn mit der Kündi-
gung des »Flüchtlingsdeals« oder spür-
baren Sanktionen reagiert. Dabei geht
es um die Vertreibung Hunderttausen-
der, um die Tötung vieler Menschen
und um die Zerstörung der vermutlich
demokratischsten Struktur in der Regi-
on. Außenminister Maas kündigt an,
die Bundesregierung werde erst mal
keine neuen Waengeschäfte geneh-
migen. Welch heroische Tat!
Ähnlich deprimierend gestaltet sich die
Reaktion auf die Klimakatastrophe.
Da beschließt die Bundesregierung ein
Klimapaket als »großen Wurf«, das von
faktisch allen Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftlern als völlig unzu-
reichend bezeichnet wird. Kaum ver-
kündet, weicht sie dann selbst die we-
nig ehr geizigen Zielvor gaben schon
wieder auf. In beiden und vielen ande-
ren Fällen scheint die Regieanweisung
zu sein: »Tut so, als würdet ihr handeln,
rea giert aber bitte nicht angemessen!
Und ganz wichtig: Unterlasst alles, was
die Wirt schaft verärgern könnte, und
verschweigt auf jeden Fall, dass wir
unseren Lebensstil ändern müssen!«
Besonders ärgerlich daran: Vielen
jungen Menschen wird so die Ho-
nung ge nommen, dass ihr Engage-
ment etwas bewirken könnte. So wird
Politikverdrossenheit erzeugt und
unsere Demokratie untergraben!
Zynischer geht es kaum. Dennoch:
Lassen wir uns nicht entmutigen! En-
gagieren wir uns nach unseren Kräften
und in der Honung, dass wir nicht
alles allein bewerkstelligen müssen!
Thomas Meinhardt, Vorsitzender von pax christi
Rhein-Main – Regionalverband Limburg-Mainz
Bild: © picture alliance – Fine Art Images
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ließen sie ebenfalls nicht erkennen. Sie ver-
suchten diesen Krieg als traditionellen va-
terländischen Krieg zu begreifen und ihn von
der ihn tragenden Nazi-Ideologie, die sie ab-
lehnten, zu trennen. Das Urteil, ob dies ein
gerechter Krieg sei – dazu gab es ja eine aus-
gefeilte Lehre –, überließen sie ausdrücklich
dem Staat, wie Erzbischof Groeber 1935 in
seinem Buch »Kirche, Vaterland und Vater-
landsliebe« darlegte: »Die Kirche hat in ihrer
fast zweitausendjährigen Geschichte noch
nie wie einzelne Sekten ihre Gläubigen von der
Heerespflicht entbunden. Sie hat vielmehr
den übertriebenen und kraftlosen Pazifismus
abgelehnt (…) und es niemals in den Urteils-
bereich des Einzelnen mit seinen Kurzsichtig-
keiten und Gefühlsstimmungen gelegt, im
Kriegsfall die Erlaubtheit oder das Unerlaubt-
sein zu erörtern, sondern die letzte Entschei-
dung der rechtmäßigen Obrigkeit überlassen.«
Dieser Gehorsam wurde insbesondere den
Soldaten eingeschärft, wie der spätere Feld-Ge-
neralvikar Georg Werthmann ebenfalls schon
1935 in seinem Buch »Wir wollen dienen« –
Leitspruch: »Glaubenskraft als Quelle der Wehr-
kraft« – geschrieben hatte: »Ob ein Mensch
gehorchen kann oder nicht, ist entscheidend
für seine Brauchbarkeit im Leben. (…) So ist
Gehorsam die innerste Soldatentugend, in-
nerste Voraussetzung für wahres Soldaten-
tum. Ihn befiehlt das eherne Soldatengesetz,
ihn schützt die Autorität des vierten Gebotes.«
Die geistliche Ermahnung zur Tapferkeit blieb
unbeeinflusst von der befohlenen Brutalität
der Kriegführung, unbeeinflusst auch von
dem Wissen um die Gefahren, die nicht zu-
letzt der Kirche selbst von einem siegreichen
Nazi-Regime drohten. Manche katholischen
Soldaten erlebten das politisch wacher als
ihre Seelsorger: »Wir waren uns im Klaren
darüber, dass wir diesen Krieg gar nicht ge-
winnen durften. Wir standen also zusätzlich
in der Schizophrenie, für einen Sieg kämpfen
zu sollen und zu wollen und zu müssen, den
wir um Gottes willen nicht haben wollten.
Denn wir waren uns ziemlich im Klaren da-
rüber, was mit uns qua Kirche und qua Chri-
stenheit geschehen würde, wenn der Nati-
onalsozialismus tatsächlich siegen würde
und seine Pläne auch nur erst einmal in Eu-
ropa hätte realisieren dürfen. Also in dieser
Hinsicht gaben wir uns keinen Illusionen hin.
Wir kämpften in einem Krieg mit, den wir
für unrecht hielten, und wir kämpften für
einen Sieg, den wir unter keinen Umständen
wollten, und wir verrechneten das Gesamte
als Schicksal.« So formulierte es später als
Zeitzeuge der einstige katholische Sturm-
scharführer und spätere Wehrmachtssoldat
Josef Stemmrich aus Essen in einer Schul-
funksendung des Hessischen Rundfunks von
1989. Er bewies damit mehr Realismus als
so manche vollmundige Soldatenpredigt:
»So ist das Frontsoldatsein kein schicksal-
hafter Zwang, sondern Gottes Wille.«
Einen doppelt apologetischen Zungenschlag
bekamen nicht wenige kirchliche Stellung-
nahmen, nachdem mit dem Überfall auf die
Sowjetunion am 22. Juni 1941 – trotz Nichtan-
grispakt! – plötzlich »der Bolschewismus«
zum Gegner wurde. Da sprach etwa der Pa-
derborner Erzbischof Lorenz Jäger von Russ-
land als einem »Tummelplatz von Menschen,
die durch ihre Gottfeindlichkeit und durch
ihren Christushass fast zu Tieren entartet
sind«. Und der katholische Feldbischof Franz
Justus Rarkowski – ein Außenseiter unter
den Bischöfen, aber doch ein Bischof – schrieb
in einem Hirtenbrief vom 29 Juli 1941, »dass
der Krieg gegen Russland ein europäischer
Kreuzzug ist. Die Völker Europas müssten
ihre Geschichte verleugnen und ihre Zukunft
verneinen, wollten sie nicht von Herzen jene
Entscheidung herbeisehnen, die den Bolsche-
wismus für alle Zeit aus der Geschichte ver-
tilgt.« Dieses Kreuzzugs-Gerede unterbanden
die Nazi-Militärs hingegen, wo sie nur konn-
ten. Schließlich wollten sie die »russischen
Untermenschen« nicht rechristianisieren,
sondern versklaven. So konnte auch der ge-
meinsame Feind aus Nazis und Kirche keine
Freunde machen.
Es ändert aber wenig an der kritischen Be
-
wertung der kirchlichen Stellungnahmen aus
den Kriegsjahren. Das betonte der ehemalige
Sanitätssoldat und spätere Theologieprofes-
sor Stephan Pfürtner in einer Sendung des
WDR von 1989. Als Teilnehmer an einem kri-
tischen Gesprächskreis mit dem Lübecker
Kaplan Hermann Lange war er 1942 in Na-
zi-Haft gekommen; Lange selbst, der im ver
-
trauten Gespräch auch die Rechtmäßigkeit
des Krieges bezweifelt hatte, wurde von der
Nazi-Justiz hingerichtet und im Jahr 2011 als
einer der »Lübecker Märtyrer« selig gespro-
chen. So sehr Stephan Pfürtner den Kaplan
Lange schätzte, so sehr kritisierte er im Rück-
blick die Bischöfe: »Die eigene Kirchenlei-
tung, ich meine jetzt die Bischöfe, haben hin
-
sichtlich der konkreten politischen Analyse
und den Forderungen einer politischen Ethik
in der damaligen Situation uns nicht richtig
geführt. Das sage ich ganz deutlich. Sie hät-
ten in ganz anderer Weise uns eine entspre-
chende Orientierung vermitteln müssen, uns
jüngeren Leuten von damals. Ein völlig klares
prophetisches Wort über den Unrechtsstaat
dieses Regimes, über die unzähligen Morde,
die stattgefunden hatten in den Konzentra-
tionslagern. Über den Krieg als völkerrecht-
lichen Missbrauch oder Bruch, Bruch des
Völkerrechts. Das hat meine Kirche doch
nicht oen zur Sprache gebracht. Und damit
haben sie sich schuldig gemacht, unsere Kir-
chenführer. Mein dringender Wunsch, mein
Appell an die eigene Kirche ist: davon endlich
Kenntnis zu nehmen und eine Möglichkeit
der kritischen Auseinandersetzung mit der
eigenen Kirche zu bejahen, um für die Ge-
genwart und Zukunft entsprechende Lehren
zu ziehen.«
Lutz Lemhöfer
ist Theologe und Politologe, pax christi- und
Redaktionsmitglied dieser Zeitschrift
Einen guten Einstieg in diese kritische
Auseinandersetzung bietet das im Auftrag von
pax christi erarbeitete Buch von Peter Bürger
(Hrsg.), »Es droht eine schwarze Wolke«.
Katholische Kirche und Zweiter Weltkrieg.
Donat-Verlag Bremen 2018. (mehr auf Seite 10)
Bischöfe bekunden Hitlergruß bereits 1935 (v. l.): Bischöfe Rudolf Bornewasser (Trier) und Ludwig
Sebastian (Speyer) neben dem pfälzischen NSDAP-Gauleiter Josef Bürckel, Reichsinnenminister
Wilhelm Frick und Reichspropagandaminister Joseph Goebbels
Bild: © Bayerische Staatsbibliothek
gan chaonan
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Ausführlicher erzählt und umfänglicher ausgelegt entstammen die drei kleinen Geschichten einem Vortrag von
Schwester Teresa Maya CCVI (»A Vision für the Future of Religious Life«) vom Mai 2019 in Rom.
Bild: © iStock.com – gan chaonan
gan chaonan
Drei kleine Geschichten
Nachdem der Hurrikan Mary die beliebte Insel
Puerto Rico verwüstet hatte, schrieben Freun-
dinnen und Freunde verzweifelt auf Facebook
und Twitter: »Weiß jemand ob, ...«, »kannst Du
Dich melden?«
Eine Koralle nach der anderen
Zwischen all den Nachrichten war auch eine
Geschichte zu finden. Eine Gruppe, die an der
Wiederherstellung des prächtigen Korallenris
arbeitete, suchte freiwillige Taucher. Sie sollten
nur einen kleinen Eimer mitbringen und jeweils
eine Koralle restaurieren. Dies klang für viele
Liebhaberinnen und Liebhaber der kleinen Insel
sinnlos, denn der Sturm hatte den wunderschö-
nen Regenwald und ihr atemberaubendes Ko-
rallenri fast verschwinden lassen. Was würden
diese Menschen denn jemals verändern können
mit ihrem kleinen Einer?
Honung – ein sanfter Ruf kann mit einfachen
Mitteln die Würde der Schöpfung wiederher-
stellen, eine Koralle nach der anderen!
Eine Person nach der anderen
Die zweite Geschichte kommt aus der Region
der mexikanisch-amerikanischen Grenze. Sie
berichtet von Schwester Norma und ihren Er-
fahrungen.
Als die erste große Gruppe unbegleiteter Min-
derjähriger die Grenze erreichte, setzte Schwe-
ster Norma alles daran, ein Willkommenszen-
trum in einer Pfarrei zu errichten. Hierfür erhielt
sie viel an Unterstützung, freiwillig Helfende
und Spenden.
Schwester Norma wurde gefragt: »Was ist hier denn los?« Sie ant-
wortete: »Ich stelle die Menschenwürde wieder her.« Darauin
gingen die Helfenden wieder los und kamen mit noch mehr Frei-
willigen und Spenden zurück.
Skeptische Realisten fragten: Wie um alles in der Welt werden wir
die unzähligen Menschen und Kinder alle menschenwürdig begrüßen
nnen?
Honung – kann mit einfacher Gastfreundschaft die Menschen-
würde wiederherstellen, eine Person nach der anderen!
Ein Schmetterling nach dem anderen
Die letzte Geschichte stammt aus Cali in Kolumbien, aus der Zeit
des langen und schmerzhaften Friedensprozesses. Kartelle, Militär
und Paramilitärs waren gerade dabei, die Städte und Familien zu
verlassen, die durch die blutigen und gewaltsamen Auseinander-
setzungen schwer geplagt waren.
Eine Gruppe von Frauen hatte Schmetterlinge gezüchtet, um für
den Frieden zu arbeiten. Lächerlich, dachten viele, als sie einen
Schmetterling in der Hand hielten. Lächerlich! Sie fragten: »Wie
kann die Zucht von Schmetterlingen einen Unterschied machen
in einer traumatisierten Umgebung?«
Honung – kommt sanft, einfach auf uns zu wie Schmetterlinge.
Schmetterlinge stellen den Frieden wieder her, ein Schmetterling
nach dem anderen!
Die schmerzhafte und zuweilen überwältigende Realität ist unser
Boden unter den bloßen Füßen. Und dieser Boden ist heiliger Boden.
Säer und Säerinnen prophetischer Honung
Wir werden danach beurteilt, wie wir darauf leben und uns bewe-
gen: als Komplizen und Komplizinnen, als Opfer oder als Säer und
Säerinnen prophetischer Honung.
Was sind unsere Geschichten, die von der Honung erzählen, von
dem Geschenk mitten in Verzweiflung, von einer Gnade, die nicht
nur für uns, sondern für alle gegeben ist? Samen der Honung für
die aufstrebende Zukunft säen die Menschen, die die anderen und
die Schöpfung als »Du« erkennen und sich selbst als »uns«, so sagt
Papst Franziskus.
Wenn wir unseren eigenen Honungsgeschichten trauen, den Sa-
men der Honung erkennen und ihn aussäen, schließen wir uns
jenen stillen Frauen und Männern weltweit an, die sanft, einfach,
liebevoll die Schöpfung wiederherstellen, den Frieden schaen
und die Menschenwürde zur Geltung bringen.
Gewiss ist: »Prophetische Honung existiert am Rande und wur-
zelt in der Solidarität mit den Leiden derer am Rande.«
Agnes Lanfermann MMS
Schwester Agnes Lanfermann war bis 2016 General oberin der
Missionsärztlichen Schwestern und arbeitet heute als Ordensreferentin im
Bistum Limburg
PROPHETISCHE
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Die erste »ordentliche« Mitgliederversamm-
lung nach dem Zusammenschluss der beiden
pax christi-Diözesanverbände Limburg und
Mainz fand am 9./10. August im Exerzitien-
haus der Franziskaner in Hoeim am Taun-
us statt. Mit rund 60 Teilnehmenden war sie
sehr gut besucht und vermittelte durch die
Gesamtschau der zahlreichen und thema-
tisch vielfältigen Aktionen und Veranstal-
tungen weiterhin eine Auruchstimmung,
wie sie schon auf der Gründungsversamm-
lung 2018 in Frankfurt spürbar war. Ob die-
se Dynamik anhält, wird nicht unwesentlich
davon abhängen, wie die auf der Mitglieder-
versammlung beschlossene neue Mitglie-
derwerbeaktion, die zahlreichen Informati-
onsveranstaltungen und Regionaltage an-
genommen werden, durch die Vernetzungs-
und Beteiligungsmöglichkeiten ins besondere
der Einzelmitglieder verbessert werden sollen.
dicke bretter u nd heisse eisen
Mir  d »Wir he kei
zwe , wir köe
uns kei pzte
Exrime « oners im
Gedätni .
Birgit Wehner
1
Boycott, Disinvestment and Sanctions; eine Kampagne, die Israel wirtschaftlich, kulturell und politisch isolieren will,
um so die Beendigung der »Besetzung arabischen Landes« zu erreichen, und die von beiden Rednern nicht unterstützt wird.
reich die geschichtliche Entwicklung und
heutige Situation des Israel-Palästina-Kon-
fliktes dar. Dabei bewertete er aus politischer
und völkerrechtlicher Sicht auch frühere Lö-
sungsversuche wie die Zwei-Staaten-Lösung
auf der Basis der Genfer Initiative von 2005
sowie die kompromisslose Politik der Stärke
von Benjamin Netanjahu. Mendel stimmte
der politischen Analyse seines Vorredners
weitgehend zu. Auch er sieht in der von der
israelischen Regierung zur Zeit betriebenen
Dämonisierung der BDS-Kampagne
1
sowie
der damit verbundenen Verunglimpfung tat
-
sächlicher wie vermeintlicher Unterstützer
2
vor allem ein Instrument der israelischen
Regierung, die eigene Macht zu festigen und
Kritiker mundtot zu machen. Meron Mendel
legte aber auch sehr deutlich die Gründe dar,
warum die Politik der Stärke heute bei so
vielen Israelis verfängt: die Erfahrung, dass
Zugeständnisse eher zu mehr als zu weniger
Attentaten führen und das Gefühl eines ho-
hen Risikos einer Friedensinitiative – »nach
einem Scheitern würde es für Israel keine
zweite Chance geben«.
Argumente und Inhalte dieser intensiven
und dierenzierten Debatte können an die-
ser Stelle schon alleine aus Platzgründen
nicht ausreichend dargestellt werden. Einen
Eindruck, wie dieser Abend auf die Teilneh-
menden gewirkt hat, vermitteln einige kur-
ze Statements von pax christi-Mitgliedern.
Was hier von den Teilnehmenden angespro-
chen wird, ist sicher für die Friedensarbeit
re  n  di
ie ursiele E
es Konks, di zum
uru kme: eirses di
p, di vo Zum g
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Verändn.
Daniel Untch
Über die Podiumsdiskussion zur Erönung
der Mitgliederversammlung am Freitag abend
hat unser Redakteur, Bernd Epe, einige Stim-
men eingeholt, die einen Eindruck von der
wichtigen und intensiven Debatte vermit-
teln.
Ein heißes Eisen, das sicherlich auch zum gu-
ten Besuch beitrug, wurde mit der Podiums-
diskussion zum Thema »Israelische Politik
– Notwendigkeit und Grenzen der Kritik«
aufgegrien. Eingeladen waren Andreas Zu-
mach (freier Journalist und Korrespondent
der taz bei der UN in Genf) und Dr. Meron
Mendel (Direktor der Bildungsstätte Anne
Frank, Frankfurt). Zumach stellte kenntnis-
Mitgliederversammlung 2019 des pax christi- Regionalverbandes Limburg-Mainz
An der spannenden Podiumsdiskussion mit Meron Mendel und Andreas Zumach zur Erönung
der pax christi-Mitgliederversammlung im Exerzitienhaus der Franziskaner nahmen auch zahlreiche
Gäste teil
Bilder: © Kerstin Meinhardt
5
dicke bretter u nd heisse eisen
Weiterlesen:
Den Einstiegsvortrag von Andreas
Zumach sowie Vorstandsbericht,
Haushaltsplan 2020 und das vorläu-
fige Protokoll der Mitgliederver-
sammlung finden sich auf unserer
Website: www.pax-christi.de
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Peter Hofacker
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einrükl klarwe.
Paul Arthen
von pax christi von grundlegender Bedeu-
tung, auch und gerade im Blick auf die An-
feindungen, denen pax christi-Mitglieder als
angebliche BDS-Unterstützer ausgesetzt
waren und sind. Versöhnungsarbeit lässt sich
nicht wirklich von der Suche nach politischen
Lösungen trennen, aber es ist auch nicht das-
selbe. Ersteren ist nicht nur wichtig, was ge-
sagt wird, sondern vielmehr, wer etwas sagt.
Eine junge tschechische Fremdenführerin,
die die Vertreibung von Sudetendeutschen
aus ihrer Heimat ein Unrecht nennt, leistet
Versöhnungsarbeit. Die gleiche Aussage von
einem Vertriebenenfunktionär zählt unter
diesem Aspekt (bestenfalls) nichts. Ein Isra-
eli, der einen Film über das Unrecht israe
-
lischer Soldaten im Westjordanland dreht,
ist ein Friedensaktivist. Ein Palästinenser, der
dasselbe Unrecht beklagt, hat »nur« recht.
Das Fördern von Empathie für die jeweils
andere Seite, zum Beispiel durch Begeg-
nungen, ist deshalb unverzichtbar für echte
Friedensarbeit. Aber versöhnen zu wollen
und dabei politisch auf der Zuschauertribü-
ne zu sitzen, geht auch nicht. Denn zum ei-
nen ist die Suche nach gerechten politischen
Lösungen genuine Friedenssuche. Zum an-
deren gehört zur Empathie auch, bestehen-
Mitgliederversammlung 2019 des pax christi- Regionalverbandes Limburg-Mainz
des Unrecht und seine Ursachen öentlich
zu benennen und gegebenenfalls politisch
und gewaltfrei zu bekämpfen. Vielleicht ist
es keine leichte Aufgabe, Versöhnungsarbeit
und Politik zusammenzubringen. Aber pax
christi muss es versuchen.
Bernd Epe
Prof. em. Bernd Epe ist langjähriges pax christi-
Mitglied und Redaktionsmitglied dieser Zeitschrift.
Er lebt mit seiner Frau Susanne in Ingelheim.
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Hiervon betroen sind Journalisten wie Andreas Zumach, aber auch Organisationen wie pax christi.
Dank für ein großartiges Engagement: Peter
Eisner wird als Vorstands mitglied des pax christi-
F ördervereins verabschiedet
Thomas Wagner und Daniel Untch präsentieren
mit einem aufmunternden Sketch die geplante
pax christi-Mitgliederwerbeaktion
Andreas Zumach und Meron Mendel im Gespräch