Mit aktiver Gewaltfreiheit für ein gutes Leben für alle!

Auf der Gründungsversammlung von pax christi Rhein-Main - Regionalverband Limburg-Mainz am 1. September 2018 in Frankfurt verabschiedeten die pax christi-Mitglieder den "Frankfurter Appell". Dieses nach intensiver Diskussion einstimmig beschlossene Papier dokumentiert das Selbstverständnis von pax christi Rhein-Main und formuliert gleichzeitig eine Positionsbestimmung zu zentralen Zukunftsfragen in den Themenfeldern Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.

Beschluss der Regionalversammlung (Mitgliederversammlung)
von pax christi Rhein-Main – Regionalverband Limburg-Mainz am 1.9. 2018

Frankfurter Appell
Mit aktiver Gewaltfreiheit für ein gutes Leben für alle!

Die Sehnsucht nach Gerechtigkeit, Versöhnung und Frieden bewegt viele Menschen. Doch andere Kräfte scheinen stärker: Über 60 Millionen Menschen sind im Jahr 2018 weltweit auf der Flucht vor Ungerechtigkeit, Armut, Krieg und lebensbedrohenden Umweltschäden. Ein entfesselter Kapitalismus und unsere Lebensweise in der industrialisierten Welt verursachen weltweit Leid und Zerstörung und gefährden das Leben in seiner Vielfalt. Wir leben in Deutschland im Gegensatz zu Ländern, in denen Krieg, Gewalt, Hunger und Unterdrückung herrschen, in relativer Sicherheit, Demokratie und Wohlstand. Die weltweiten Konflikte und Nöte reichen aber auch bis nach Deutschland; sie lassen Angst, Ohnmacht und Verunsicherung wachsen.


Als Christ*innen treten wir ein für die Überwindung aller Formen von Gewalt und struktureller Ungerechtigkeit. Wir tun dies gemeinsam mit vielen anderen zivilgesellschaftlichen und politischen Initiativen, um gewaltfrei, auch mit Mitteln des zivilen Ungehorsams für ein gutes Leben für alle zu streiten.


Wir orientieren uns dabei an Jesus von Nazareth und an seiner Botschaft der Hoffnung, der Nächsten- und Feindesliebe und seinem Eintreten für Schwache und Unterdrückte. Er ruft dazu auf, dem Bösen keinen gewalttätigen Widerstand zu leisten (Matthäus 5,39), sondern Frieden zu stiften, zu vergeben und Versöhnung zu leben.


Wir als pax christi Rhein-Main – Regionalverband Limburg-Mainz
treten als christlichökumenische Basisbewegung für eine »Ökonomie des Lebens« (Papst Franziskus) ein.


Wir setzen uns ein für mehr Gerechtigkeit,

für die weltweite Durchsetzung der Menschenrechte und die solidarische Sicherung der Grundbedürfnisse
eines jeden Menschen im Sinne von globalen sozialen Rechten;
für eine Angleichung von Einkommen und Vermögen weltweit und den Aufbau einer umfassenden,
bedingungslosen öffentlichen Daseinsvorsorge für alle;
für gerechte Lebens- und Arbeitsbedingungen für Frauen hier und weltweit, gegen sexuelle
Ausbeutung von Frauen;
für einen gerechten und nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen;
für eine Demokratisierung aller Lebensbereiche, auch in Wirtschaft, Finanzwelt und Energiewesen;
für ein soziales, friedvolles, solidarisches und demokratisches Europa als Friedensprojekt;
für sichere Einreisemöglichkeiten für Migrant*innen und Geflüchtete nach Deutschland und
in die EU;
für die Anerkennung von »Klimaflüchtlingen« und ein erweitertes Bleiberecht.

Wir setzen uns ein für mehr Frieden,
für Dialog statt Konfrontation zwischen den Staaten weltweit;
für einen sofortigen Stopp von Rüstungsexporten;
für ein Verbot von Atomwaffen, wie es mittlerweile von 122 Ländern der UN gefordert wird;
für Abrüstung, Rüstungskonversion und Demilitarisierung in klar definierten Schritten;
für die Lösung von Konflikten durch den umfassenden Einsatz von Instrumenten der zivilen
Konfliktbearbeitung auf wirtschaftlicher und politischer Ebene;
für den Dialog zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen in unserer Region.


Wir setzen uns ein für die Bewahrung der Schöpfung,

für die Abkehr vom Wachstumsdogma;
für das Ende der Ausbeutung unserer Mitwelt und für eine solidarische Ökonomie nach den
Leitideen: Gutes Leben für alle, Zeitwohlstand, Postwachstum und Gemeinwohlorientierung.

Gerade nach den Schrecken und Brutalitäten zweier Weltkriege, die von Deutschland
ausgingen, und nach der menschenverachtenden Katastrophe der Shoa
sagen wir als pax christi Rhein-Main:

• JA zu einer demokratischen, friedvollen und solidarischen Lebensweise, wenn wir immer
wieder neu in unserer Erinnerungsarbeit gegen das Vergessen der Shoa und die Machenschaften
der Nazis, Rassisten und Rechtsextremisten damals wie heute angehen.
• JA zu gewaltfreien Konfliktbearbeitungen lokal und weltweit, wenn wir in der Kampagne
»Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel« gegen die bundesdeutsche Produktion von
Waffen und deren Export protestieren, in unserer Friedensbildung zivile Konfliktlösungen einüben
und den Ausbau des Zivilen Friedensdienstes fordern.
• JA zu einer solidarischen Ökonomie des Teilens im Weltmaßstab und einer »Ethik des Genug«,
wenn wir die Ausbeutung von Mensch und Natur und das Profitstreben auf Kosten der Schwachen
in unserem Land und weltweit kritisieren.
• JA zu einer kulturellen Vielfalt der Religionen und Weltanschauungen, wenn wir vor Ort in
unseren Gemeinden und Kommunen öffentlich für ein respektvolles Miteinander der Religionen
eintreten.
• JA zur globalen Gültigkeit der politischen und sozialen Menschenrechte, wenn unsere Mitglieder
Geflüchtete und Migrant*innen unterstützen und auch politisch für sie eintreten.
• JA zu Klimagerechtigkeit, Nachhaltigkeit und einer Lebensweise des Genug (Suffizienz), wenn
wir in einem breiten ökumenischen Bündnis für die Rettung der Schöpfung und ihrer Geschöpfe
eintreten.
Das Ziel unseres Engagements ist ein gutes Leben für alle: »Damit sie das Leben haben
und es in Fülle haben« (Johannes 10,10)!
Wir laden alle Menschen guten Willens ein, sich mit uns gemeinsam in aktiver
Gewaltfreiheit für diese Ziele einzusetzen!