Liebe pax christi-Mitglieder, seit dem 1. April 2026 arbeite ich als Friedensreferentin für pax christi Rhein-Main im Büro in Rödelheim. Als eine der beiden Neuen in den Reihen der pax christi-Bewegung, als diejenige, die bei den Anrufen ans Telefon geht, und bei der Teile der Korrespondenz und der Veranstaltungsorganisation zusammenlaufen, möchte ich mich Ihnen und euch gerne vorstellen.
Mein Name ist Hanna Teschner. Seit einem Jahr lebe ich in Frankfurt. In gewisser Weise ist es eine Rückkehr in die Region, aus der ich komme. Aufgewachsen bin ich in Nidderau, Main-Kinzig-Kreis; mein Theologiestudium habe ich 2009 in Mainz abgeschlossen.
Meine bisherigen Stationen haben mich geprägt: Orte, an denen ich gelebt habe, Organisationen, die den Rahmen für meine Arbeit bildeten, und Menschen, mit denen und für die ich arbeiten durfte. Sie haben mich mit einem großen „Handwerkskoffer für die Friedensarbeit“ ausgerüstet, den ich bei pax christi einbringen möchte.
Seit 2017 bin ich verbunden mit der Zivilen Konfliktbearbeitung und Friedensarbeit des Zivilen Friedensdienstes als Teil der internationalen Entwicklungszusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. So durfte ich Einblick erhalten in die Arbeit von ca. 30 Nichtregierungsorganisationen, die sich in verschiedenen Ländern um gewaltfreie Konflikttransformation in ihren Gemeinschaften oder Regionen bemühen.
November 2021 bis August 2020 arbeitete ich als Programmkoordination für den Zivilen Friedensdienst in Dnipro in der Ukraine. Meine Aufgabe war es, ein Team aufzubauen und zu leiten, das NGOs und regionale Schulbehörden unterstützte, friedenspädagogische Ansätze an Schulen zu etablieren und Dialog zur Konfliktbearbeitung auf kommunaler Ebene anzustoßen.
Oktober 2021 bis September 2024 übernahm ich als Programmkoordination für den Zivilen Friedensdienst Verantwortung für die Arbeit eines internationalen Teams in Ramallah, Palästina. Dieses Team schafft gemeinsam mit lokalen Vereinen und Initiativen Perspektiven für Kinder und Jugendliche aus palästinensischen Flüchtlingslagern. Durch sportliche, kreative und kulturelle Ansätze halten sie sichere Räume und Beziehungen für junge Menschen bereit.
Oktober 2024 bis Juni 2025 stand Strategieberatung im Zentrum meiner Arbeit für den Zivilen Friedensdienst. Ich arbeitete im Büro in Nairobi, Kenia, zu Bedarfen der Programmarbeit des Zivilen Friedensdiensts in hochfragilen Kontexten und Kontexten mit eskalierter Gewalt.
Während des Studiums engagierte ich mich ehrenamtlich für deutsch-polnischen Dialog, nach meinem Studienabschluss war ich für sechs Jahre hauptamtliche Geschäftsführerin des Jugendverbands „Aktion West-Ost, Arbeitsgemeinschaft für Europäische Friedensfragen“. Begegnungs-, Dialog- und Bildungsprojekte mit Kindern und Jugendlichen in Deutschland und Mittel-/ Osteuropa stehen im Mittelpunkt der Arbeit des Verbands. Im Rahmen meiner Arbeit bin ich nach Tschechien und Litauen, nach Russland und in die Ukraine gereist, an viele Orte innerhalb Deutschlands und Polens.
Als Ehrenamtliche und als freie pädagogische Mitarbeiterin bei den Pfadfindern, bei Bildungswerken und Jugendbegegnungsstätten habe ich gelernt, Veranstaltungen zu organisieren und Gruppenprozesse zu moderieren. Meine praktische Erfahrung habe ich durch Schulungen und Trainer*innenausbildungen ergänzt. So zum Beispiel als Trainerin für den Ansatz „Do No Harm“ zur konfliktsensiblen Projektplanung, als Kommunikationstrainerin und interkulturelle Trainerin und mit einer Ausbildung zur Mediatorin.
In Fachfortbildungen und Methodenfortbildungen in der Zivilen Konfliktbearbeitung habe ich „Transformative Peace Education“ und andere Ansätze der Friedensbildung gelernt, systemische Konfliktanalyse, „Reflecting on Peace Practice (RPP)“, Dialogansätze und Vergangenheitsarbeit („Dealing with the Past“). Zudem wurde ich geschult in Change-Management, Organisationsentwicklung und Personalführung.
Ein Thema zieht sich wie ein roter Faden durch meine Stationen hindurch und liegt mir besonders am Herzen; Friedensbildung mit der Frage „Wie kann man Frieden lernen?“ – Welche Fähigkeiten, Einstellungen, welche Art von Wissen und welche Werte können kultiviert werden, damit gewaltfreie Konfliktlösungen zum Tragen kommen? Die Antworten der Zivilen Konfliktbearbeitung und Friedenspädagogik bergen eine große Vielfalt und Kreativität. In der Ukraine durfte ich beispielsweise ein Projekt begleiten, in denen Lehrer*innen mit Theater Raum boten, in dem Geschichten nicht nur erzählt werden konnten, sondern wirklich mit dem Publikum resonierten. Oder ein Projekt, in dem Schüler*innen durch Trommeln lernten, einander zuzuhören. In Palästina habe ich gesehen, wie Aikido Kindern half, ihre Emotionen zu verstehen und ihre Reaktionsmöglichkeiten zu erweitern, und Sozialer Zirkus auf eine bezaubernde Weise gesellschaftlichen Zusammenhalt fördert.
Die Erfahrung hat mir gezeigt: Frieden baut auf Analyse und Verstehen, auf Fragen und darauf, sich nicht nur mit einer (simplen) Antwort zufriedenzugeben. Frieden entsteht mit Frust und mit Wieder-Ausprobieren, selten mit anhaltender Harmonie. Und Frieden entsteht da, wo sich Menschen etwas zu sagen haben – auch wenn sie sich ganz und gar nicht einig sind. Frieden entsteht in Handlungsräumen, die in Konfliktkontexten oft schwer eingeschränkt sind und deswegen erarbeitet werden müssen.
Nach sieben sehr bewegten Jahren in Regionen, in denen Konflikte das Leben der Menschen im Griff haben, in denen die Umstände fragil sind, möchte ich Zeit in Frankfurt verbringen – nahe bei Familie und Freunden – das Erlebte verdauen und etwas Neues hinzulernen.
Als Friedensreferentin bei pax christi bleibe ich der Arbeit für Verständigung und soziale Gerechtigkeit verbunden. Die Tätigkeit im Büro ergänze ich als selbständige Beraterin für konfliktsensible Projektumsetzung und als Trainerin für Friedensbildung.
In den Zwischenräumen wandere, lese und reise ich, bleibe im Kontakt mit Familie, Freunden und Bekannten, die über den Globus verteilt sind, mache Yoga, spiele Gitarre und Ukulele und singe in einem Chor.
Es macht mir Freude, Ideen in Handlungen zu übersetzen und Projekte zu gestalten; ich mag es, Strategien zu erarbeiten, sodass alle, die an etwas mitwirken, die gemeinsamen Ziele im Blick behalten. Und ich kann Sie und euch schon vorwarnen: Ich stelle eine Menge Fragen, um mir von allem, in das ich mich hineinbegebe, ein möglichst breites Bild zu machen.
Die Gespräche, die ich mit pax christi-Mitgliedern bisher führen durfte, lassen mich vermuten: Die langjährige Erfahrung als Graswurzelbewegung und die wachsenden Bedarfe in der Friedensarbeit haben den Willen, an einer gerechten Welt mitzuwirken, nicht ermüdet oder gebrochen – im Gegenteil! Ich bin gespannt darauf, Sie und euch weiter kennenzulernen und mit Ihnen und euch zu handeln. Es gibt eine Menge zu tun.
