28.06.2019

Ein Land - viele Gesichter: Kongo-Tagung am 15. Juni in Mainz

Bereits zum zweiten Mal organisierte die pax christi Kommission Solidarität mit Zentralafrika gemeinsam mit weiteren Kooperationspartnern eine spannende Tagung zur DR Kongo. Ein Nachbericht.

                     
Ein herzlicher Dank gebührt der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, die gemeinsam mit der pax christi Kommission Solidarität mit Zentralafrika zum zweiten Mal eine hochspannende Tagung zur Situation in der DR Kongo ermöglichte. Ein Dank auch an die Partnerorganisation „Dialog International e.V.“ , die den Kontakt zu den Referierenden und der Dolmetscherin vermittelt hat.

Nach der Begrüßung des Referatsleiters der Landeszentrale, Rainer Ullrich und Jean Djamba, Sprecher der pax christi Kommission, startete die Tagung mit einem Vortag der belgischen Friedensaktivistin Mado Chideka, der zweifelsohne zu den Höhepunkten der Tagung gehörte.
 
Die Rolle der Frauen
Chidekas Thema war die Rolle der Frauen in der DR Kongo, die, wie in vielen Kriegsgebieten, die Zeche der Krisen und Konflikte zahlen – Vergewaltigungen und Menschenrechtsverletzungen finden täglich statt. „ Dennoch sind es die Frauen, die das Weiterleben ermöglichen, die für den Zusammenhalt der Familien kämpfen und in Friedensverhandlungen so hartnäckig sind, bis ein Ergebnis feststeht“, so Mado Chideka. Dabei wird die Arbeit der Frauen in keiner Weise von der Politik gewürdigt. Was das in der DR Kongo bereits existierende Gesetz gegen Gewalt gegenüber Frauen betrifft, sowie die UN-Resolution 1325, welche den Schutz der Frauen und deren politische Teilhabe garantiert und deren Bedeutung  Chikeda besonders hervorhob, mangelt es eindeutig an der Umsetzung. Gewalt gegenüber Frauen wird in der Regel nicht bestraft. Unhaltbar ist insbesondere der Umstand, dass auch von der internationalen Schutztruppe MONUSCO verübte Gewalt und Ausbeutung von Frauen und Kindern nicht bestraft wird, sondern die Straftäter einfach versetzt werden. Frieden und Gleichstellung – das ist es, wofür die Frauen kämpfen, und sie benötigen jede erdenkliche Unterstützung für ihren Kampf.

Mangelnde Rechtsstaatlichkeit

Mangelnde Rechtsstaatlichkeit als Hauptproblem in der DR Kongo hob auch der zweite Referent des Tages, Prof.Dr. Charles Djungu-Simba, hervor. Der Journalist und Schriftsteller, der in Kinshasa lebt, konnte keine Verbesserung der Lage im Land feststellen, seit der neue Präsident Tshisekedi Anfang dieses Jahres die Macht von Kabila übernommen hat. Wem es um Menschenwürde, Ehrlichkeit oder Gerechtigkeit geht, der wird nicht gehört bzw. lebt gefährlich. Auch die Intellektuellen haben versagt, indem sie keine kritische Position vertreten, sondern die Lage gegenüber dem Volk beschönigen und verharmlosen. Am 30. Juni 1960 wurden den Kongolesen offiziell die Schlüssel übergeben, aber die Machthaber waren nicht interessiert, das Grundbuch wiederzuerlangen, das Haus zu bewohnen und es instand zu setzen.

Fazit
So war es in der Abschlussrunde, die von Maria Buchwitz, Mitglied der pax christi Kommission Solidarität mit Zentralafrika, moderiert wurde, nicht einfach, einen hoffnungsvollen Blick nach vorn zu richten. Fürsprecher*innen in der Weltöffentlichkeit sein für die Menschen im Kongo, keine Zusammenarbeit mit Diktatoren, die nicht das Wohl der Menschen an erste Stelle setzen, keine Waffenlieferungen in Kriegsgebiete, die zu immer mehr Gewalt führen- das dürften wichtige Schritte sein. Auch der von Chideka in die Diskussion eingebrachte Wunsch nach einem internationalen unterstützenden Netzwerk wurde intensiv diskutiert – viel Stoff zum Nach- und Weiterarbeiten!

                                                                                                                                           Maria Buchwitz



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