14.10.2020

Versöhnungsarbeit trotz Völkermord: Sendung "Friedensfragen" am 14.10. um 20.30 Uhr

Angela Krumpen, freie Radiojournalistin, Autorin und Moderatorin, stellt in der Sendung ihr Buch "Nur Versöhnung kann uns retten“ vor, das von konkreter Friedensarbeit in Burundi nach dem Völkermord zwischen Hutus und Tutsis ab dem Jahr 1993 handelt.

Mittwoch, 14.10.2020, 20.30 Uhr

Transparenz-TV, Friedensfragen mit Clemens Ronnefeldt

Thema: Versöhnungsarbeit trotz Völkermord

 

Gast: Angela Krumpen


https://youtu.be/kL4S29_JHxQ

 

Angela Krumpen ist freie Radiojournalistin, Autorin und Moderatorin.

 

Die Sendung wird ihr Buch "Nur Versöhnung kann uns retten“ vorstellen,

für das die Autorin wegen der Sicherheitslage in Burundi erst nach

Ruanda reiste, um dort die Menschen aus Burundi zu treffen. Ein paar

Monate später gelang dann doch eine zweite Reise nach Burundi.

 

Es handelt von konkreter Friedensarbeit in Burundi nach dem Völkermord

zwischen Hutus und Tutsis ab dem Jahr 1993, der sowohl in Ruanda als

auch in Burundi jeweils hunderttausenden Menschen das Leben gekostet

hat.

 

Hauptperson ihres Buches ist Erzbischof Simon Ntamwana und ein von ihm

gegründetes „Versöhnungswerk“, das "Vie nouvelle pour la

réconciliation“, dem inzwischen mehrere hundert Menschen angehören.

Dieses hat sich ein neues Leben für alle Menschen in Burundi zur

Aufgabe gemacht und übt deswegen Versöhnung zwischen Opfern und Tätern

bzw. Täterinnen. 

 

Die Sendung handelt von Personen, die extremen Hass und Gewalt erlebt

haben, aber auch von großem Mut und Liebe. Sie wird auch beleuchten,

wie Erzbischof Simon Ntamwana zum Friedensstifter wurde, welche

Stationen er dafür in Rom, als Landpfarrer und später als Bischof

durchlief.

 

Mit dem Friedensabkommen von Arusha 2005 keimte Hoffnung auf; es

führte zu einem Jahrzehnt relativer Ruhe und Frieden.  2015 wurde

diese Hoffnung zerstört - seitdem ist Burundi auf dem Weg in eine

Diktatur.

 

Das Interview wird die konkrete Versöhnungspraxis darstellen - und

beschreiben, wie Opfer und Täter sich begegnen und welche Chancen in

solchen Begegnungen liegen.

 

Die Sendung beenden wird der Begriff „Hoffnung“ als Haltung - und die

Sinnhaftigkeit von Handlungen auch ohne Aussicht auf Erfolg.

 

Mit Livechat am 14.10.2020 um 20.30 Uhr und danach dauerhaft unter:

 

https://youtu.be/kL4S29_JHxQ

 

oder

 

https://www.facebook.com/friedensfragen/?modal=admin_todo_tour


——

 

Nachfolgend einige Artikel zum Thema Versöhnungsarbeit nach dem Völkermord:

 

 

https://www.n-tv.de/politik/Wie-das-Toeten-begann-und-endete-article20950069.html

 

Samstag, 06. April 2019

Völkermord in Ruanda 

Wie das Töten begann und endete

(…) Versöhnung lässt sich nicht erzwingen, doch Hunderttausende

Gerichtsverfahren landesweit haben es möglich gemacht, eine Annährung

auf lokaler Ebene zu erwirken. Man muss sich vergegenwärtigen, dass

damals Nachbarn und Verwandte sich gegenseitig abgeschlachtet haben.

 

Nach dem Völkermord wurden deswegen landesweit Dorfgerichte

eingerichtet, die sogenannten Gacaca. Da traf sich jahrelang die

Dorfgemeinschaft, und die Täter mussten ihre Taten öffentlich zugeben

und die Überlebenden um Vergebung bitten. Dafür bekamen sie weitgehend

Amnestie. Wenn man mit Ruandern spricht, sagen die meisten, diese

Verfahren haben zur Vergebung und langfristig auch zur Versöhnung

beigetragen. (…)

 

——

 

https://www.ziviler-friedensdienst.org/de/aktuelles/ruanda-versoehnungsarbeit-20-jahre-nach-dem-voelkermord

Ruanda: Versöhnungsarbeit 20 Jahre nach dem Völkermord

7.4.2014

 

(…) In einem Artikel im Bonner Generalanzeiger (Artikel vom 31.03.2014)

berichtet Lutz Warkalla etwa vom Memorial Center in Kigali, das als

Ruhestätte für 250.000 Tote und Museum ein Ort des Mahnens ist: "Never

again" steht dort zu lesen - "Niemals wieder". Er berichtet auch von

der Arbeit der ZFD-Fachkraft Lucia Fetzer, die in Ruanda ein Projekt

betreut, dass Täter und Opfer wieder zusammenbringt. 

 

Dabei ginge es bei der Arbeit in den Gemeinden nicht um Entschuldigungen, 

sondern um das Jetzt und die Möglichkeit wieder in Frieden miteinander reden 

und leben zu können. Die Versöhnungsgruppen unter der Leitung der im

Projekt ausgebildeten Sozialarbeiterinnen sind eine Erfolgsgeschichte,

die Teilnehmerzahl wächst stetig. (…)

 

------

 

https://www.br.de/radio/b5-aktuell/sendungen/b5-reportage/ruanda-25-jahre-nach-dem-voelkermord100.html

Versöhnung und Einigkeit 

Ruanda 25 Jahre nach dem Völkermord

Stand: 19.06.2019 

Ruanda hat Bemerkenswertes geleistet bei der Aufarbeitung des Genozids

von 1994 und bei der Versöhnung seiner einst tief gespaltenen Bevölkerung. 

Doch der Heilungsprozess bleibt schwierig. (…)

 

———

 

 

https://www.deutschlandfunkkultur.de/25-jahre-nach-dem-voelkermord-in-ruanda-kann-eine-schuldige.1278.de.html?dram:article_id=445631

 

7.4.2019

25 Jahre nach dem Völkermord in Ruanda

Kann eine schuldige Kirche versöhnen?

Katharina Peetz im Gespräch mit Kirsten Dietric

 

Priester wurden zu Mördern, Kirchen zu Massengräbern. In den Völkermord in 

Ruanda im Jahr 1994 waren die christlichen Kirchen tief verstrickt. Jetzt sollen sie

der Versöhnung dienen. Die katholische Theologin Katharina Peetz

forscht zur Rolle der Kirchen in Ruanda.

 

Peetz: (…) Ich habe viel von Praktiken der Versöhnung und des

Miteinander-Gehens und des Wieder-miteinander-Zusammenlebens gespürt.

Zum Beispiel ist mir Josephine vor Augen, die mir im Interview erzählt

hat, wenn ich das mit den Tätern zusammen mache, dann ist das wie ein

Fest, das wir feiern – und da blitzt für mich auch so etwas wie

Versöhnung auf.

 

Was diese Gruppe tut, ist zum Beispiel, dass sie Straßen bauen in ein

Dorf, das noch nicht so gut verkehrstechnisch erschlossen ist. Oder

Täter und Überlebende bauen zusammen Häuser auf, sowohl für

Überlebende, als auch für Menschen, die aus dem Gefängnis entlassen

worden sind, also ehemalige Täter, die in ihr Dorf zurückkehren. Und

sie bauen gemeinsam etwas an. Es geht darum, so etwas wie Alltag zu

teilen. Und in diesem Teilen von Alltag und diesem Tun werden dann

tatsächlich auch noch mal Vorstellungen von Vergeben und Versöhnung

realistischer.

 

Also, in den Tätern und Täterinnen passiert etwas, sie erkennen, dass

sie Schuld auf sich geladen haben, die eigentlich nicht vergebbar ist.

Sie spüren so etwas wie Reue, zumindest einige der Täter – nicht alle,

längst nicht alle. Es ist ja bei Massengewalt immer so, dass ganz

viele Täter keine Reue verspüren. Aber die, die in diesen Gruppen sind

und im Alltag auf die Überlebenden stoßen und mit denen

zusammenarbeiten, bei denen ist das eher der Fall. Und auch in den

Überlebenden verändert sich etwas. Also der Hass, die Rachegefühle,

die verändern sich noch mal, weil Menschen etwas gemeinsam tun. Und

das ist für mich ein ganz entscheidender Punkt, diese Praxis, vor Ort

zusammen tätig zu werden. (…)

 

————

 

https://www.deutschlandfunk.de/ruanda-nach-dem-voelkermord-der-lange-weg-zur-versoehnung.1148.de.html?dram:article_id=467335

 

9.1.2020

Ruanda nach dem Völkermord

Der lange Weg zur Versöhnung

In Ruanda ermordeten radikale Hutu 1994 etwa eine Million Tutsi, Twa

und gemäßigte Hutu. Der Völkermord hat eine lange Vorgeschichte, die

bis in die Kolonialzeit zurückreicht – schon damals begann die

ethnische Segregation der ruandischen Gesellschaft. (…)

 

Auf der von Bismarck geführten Kongokonferenz 1885 in Berlin war das

damalige Königreich Ruanda der neuen Kolonie Deutsch-Ostafrika

zugeschlagen worden. Der Hamburger Völkerrechtler Dr. Gerd Hankel hat

sich intensiv mit dem Genozid und seiner Vorgeschichte befasst:

 

„Dass es zwei oder drei Bevölkerungsgruppen in Ruanda gab, das war

schon vor der Kolonialzeit so. Es gab Hutu, es gab Tutsi, und es gab

Twa, Pygmäen. Was allerdings die Kolonialherren, zunächst die

deutschen, dann ab 1916, die Belgier gemacht haben: Es sind

rassistische Theorien dort in Umlauf gebracht und angewandt worden,

aus denen dann zweifelsfrei hervorging, dass die Tutsi eine überlegene

Rasse seien, die Hutu, eine unterlegene Rasse und die Twa obskure

Wesen, die im Wald leben und sich, nun ja, auf zweifelhafte Weise

ernähren.“

 

Spaltung in Hutus und Tutsis

 

Als Tutsis galten diejenigen, die mehr als zehn Kühe besaßen, als

Hutus, diejenigen, denen weniger als zehn Kühe gehörten. Dabei gab es

auch arme Tutsis, die am Rande der Gesellschaft lebten, betont Gerd

Hankel:

 

„Aber die Kolonialherren stützten sich auf die reichen und

einflussreichen und trugen so zur immer größer werdenden Spaltung des

Landes zur Trennung zwischen Hutu und Tutsi bei.“ Rassistische

Theorien gewannen seit der Jahrhundertwende zunehmend an Boden und

wurden von Europa auch nach Afrika exportiert. „In den 1930er Jahren

begannen sie nun, Menschen anhand ihres physischen Erscheinungsbildes

zu klassifizieren – insbesondere aufgrund ihrer Nasen. (…)“

 

1961 riefen Hutu-Politiker die Republik aus, seit 1962 ist Ruanda

unabhängig. Die Hutus, die Benachteiligten von gestern, so Hankel,

waren die neue Elite, und die Elite von gestern, die Tutsis, nur noch

geduldet. Es kam zur Einführung eins Quotensystem: nur 15

Prozent Tutsis durften zum Beispiel noch im öffentlichen Dienst tätig

sein oder in die Schule gehen. Und in jedem Ausweis war die

Bezeichnung „Hutu“ oder „Tutsi“ vermerkt.

 

Versagen der Vereinten Nationen

 

„Am 6. April 1994 flogen Präsident Habyarimana und Präsident

Ntaryamira von Burundi nach Kigali, wo das Flugzeug gegen 18:40 Uhr in

der Nähe des Flughafens Kigali abgeschossen wurde. Danach verging nur

noch kurze Zeit bis in Kigali die Schüsse begannen, innerhalb einer

Stunde. Die  Todeslisten waren schon vorbereitet worden. Das heißt,

sie waren bereit, die systematischen Tötungen der Tutsi in Ruanda in

Angriff zu nehmen.“

 

Bis heute ist nicht geklärt, wer die Präsidentenmaschine abgeschossen

hat, ob Tutsis oder Hutus. Klar aber ist: die Vereinten Nationen haben

alle Vorwarnungen und Rufe nach mehr Unterstützung ignoriert. (…)

 

100 Tage währte der Völkermord, dem schätzungsweise eine Million

Tutsis, aber auch gemäßigte Hutus zum Opfer fielen. Heute gibt es

diese Einteilung in Hutus und Tutsis nicht mehr, alle verstehen sich

als Ruander. Zumindest offiziell. Möglicherweise schwelt aber noch in

einigen Köpfen der alte Hass und wird auf die nächste Generation

übertragen. Dabei soll genau das verhindert und Versöhnung gefördert

werden. Darum bemüht sich auch Mary Balikungeri:

 

„Wissen Sie, wir sind ein Post-Genozid-Land, wir erleben eine totale

Transformation und eine Herausforderung für Menschen, die immer noch

Seite an Seite mit ihren Traumatoren und Überlebenden leben. Deshalb

sage ich, dass die Menschen sich öffnen müssen. Du wirst niemals

heilen, wenn du nicht sprichst, sprechen, das wird Räume öffnen.“

 

Was die juristische Aufarbeitung des Genozids betrifft, so hat sich

darum ab Ende 1994 zunächst der Internationale Strafgerichtshof

gekümmert, der in Arusha, in Tansania tagte. Angeklagt waren dort vor

allem die Drahtzieher des Völkermords. Ab 1996 wurden dann die

nationalen Strafgerichte in Ruanda aktiv. Gerd Hankel:

 

„Die führten etwa 600 Verfahren pro Jahr durch, beginnend 1996, also

zwei Jahre nach dem Völkermord. Das reicht natürlich nicht aus, um die

weit über hunderttausend Verdächtigen anzuklagen und zwar in einer

angemessenen Zeit anzuklagen. Deshalb griff man auf ein Instrument

zurück, dass man kannte aus der ruandischen Tradition, nämlich die

Gacaca-Gerichte, das waren Dorfgerichte.“

 

Konfrontation von Tätern und Opfern

 

Die Gacacca-Gerichte tagten zehn Jahre lang, von 2002 bis 2012. Diesen

Gerichten saßen Laien-Richter und erstmals auch Richterinnen vor,

Hutus wie Tutsis, gewählt von der Dorfbevölkerung.

 

„Die Idee dahinter war eigentlich eine ganz gute Idee, nämlich die

Verhandlungen dort stattfinden zu lassen, wo auch die Verbrechen

begangen worden sind. Das heißt also, die Täter mit den Überlebenden

zu konfrontieren, umgekehrt auch, und den Überlebenden die Gelegenheit

zu geben, ihre Verletzungen zu zeigen, auch ihre Empörung, ihre Wut

kundzutun.“

 

Einige Hinterbliebene erfuhren von den Tätern, wo ihre getöteten

Familienmitglieder verscharrt wurden. So bekam sie die Chance, deren

sterbliche Überreste in Würde zu begraben. (…) 

 

 

 


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