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Bericht: Rückkehr nach Syrien

"Zwischen Wiederaufbau, Sicherheit und Menschenwürde" im Haus am Dom

Fotos: ©Rüdiger Grölz

Am 18. August luden pax christi Rhein-Main, die Katholische Akademie Rabanus Maurus und die KEB Taunus ein zur Abendveranstaltung „Rückkehr nach Syrien – zwischen Wiederaufbau, Sicherheit und Menschenwürde“ im Haus am Dom in Frankfurt ein. 
Ziel der Veranstaltung war es, die aktuelle Debatte über die Rückkehr syrischer Geflüchteter differenziert betrachten, sowohl politische Abläufe und als auch die die konkreten Lebensrealitäten der Menschen. 
Die Einladung richtete sich an Interessierte und Aktive in den Bereichen Migration, Weltkirche, Friedenspolitik und Entwicklungszusammenarbeit und besonders auch an  Syrer:innen, die in Frankfurt und der Region leben. 

Als Einleitung gab Khalil Abbas einem Überblick zur deutschen Debatte seit einem Treffen zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und dem syrischen Präsidenten Ahmed Al-Scharaa im März 2026; über Herausforderungen für die Stabilisierung von umfassender Sicherheit für die Menschen, die in Syrien leben, inklusive derer, die aus den Nachbarländern zurückkehren, in denen sie lange als Geflüchtete lebten; über zentrale Bedarfe beim Wiederaufbau des Landes sowie die Rolle, die Deutschland bei der Unterstützung für den Wiederaufbau einnimmt.  
Mohammed Dawod vom Verein Syrmania Assembley e.V. ging im Anschluss näher auf die Integration von Syrer:innen in Deutschland ein, insbesondere die Integration von Fachkräften in den Arbeitsmarkt. Er berichtete über die vielfältigen Formen, in denen in Deutschland lebende Syrerinnen und Syrer sich in beiden Gesellschaften engagieren.  
 
Im Gespräch über Syrien im Wiederaufbau und Syrer:innen in Deutschland 
In einem zweiten Teil der Veranstaltung gingen die Impulsgeber mit einem Publikum von ca. 80 Frankfurterinnen und Frankfurtern ins Gespräch. Sie gaben Einschätzungen zu Entwicklungen der Sicherheit, der Meinungsfreiheit und den Perspektiven in und für Syrien diskutierten, was es nun braucht, damit Syrer*innen, die in Deutschland leben, gute Entscheidungen für ihre Familien treffen und eine verantwortungsvolle Rolle beim Wiederaufbau einnehmen können.  

 
Geteilte Informationen und Schlüsse aus dem Abend 

  •  Die Sicherheitslage im Nachkriegs-Syrien ist weiterhin fragil, politische und militärische Integrationsprozesse sind wichtige Schritte, sind aber noch nicht abgeschlossen und führen zuweilen zu internen Konflikten.  

  • Globale und regionale Konflikte und kriegerische Handlungen wirken sich auf die Entwicklungen in Syrien aus (Syrien als Nachbar von Libanon, Türkei, Irak, Jordanien und Israel).  

  • Weit verbreitete und nicht oder ungenügend erfasste Verminung stellt eine große Gefahr für die Bevölkerung dar.  

  • Für Rückkehrer:innen, die in Nachbarländer geflüchtet waren, ist nicht ausreichend Wohnraum (zerstörte Häuser, fehlende Ressourcen für den Wiederaufbau), nur spärliche und in manchen Gebieten keine gesundheitliche Versorgung, es fehlt an Schulen und Wasserversorgung. Aus dem Libanon kommt eine große Zahl von Menschen, die vor den Auswirkungen der Kämpfe zwischen der Hisbollah und Israel fliehen.  

  • Geschätzte 216 Milliarden $ werden für den Wiederaufbau benötigt, 82 Milliarden für Infrastruktur, fast ein Drittel des Kapitalstocks Vorkriegs-Syriens ist beschädigt, 16 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. (Stand Juli 2026) 

  • Die deutsche Regierung ist ein wichtiger Partner im Wiederaufbau, zum Beispiel für den Aufbau von Schulen, Infrastruktur für Wasserversorgung und Aufbau von Verwaltungsstrukturen. Die Plattform Neuanfang Syrien bietet Raum für Information, Austausch und Vernetzung, Syrer:innen in Deutschland können sich an Wiederaufbauaktivitäten beteiligen.  

  • Beispiele für die Beteiligung geben Ärztinnen und Ärzte, die für medizinische Einsätze nach Syrien reisen und dort für Patienten (Notfall-) Versorgung leisten und die gleichzeitig in Krankenhäusern in Deutschland angestellt sind oder Praxen führen. 

  • Eine hohe Anzahl von erwachsenen Syrerinnen und Syrern ist in den deutschen Arbeitsmarkt integriert, sie arbeiten teils in unverzichtbaren Berufen, zum Beispiel in Medizin& Pflege, Technik und Handwerk, Sozialwesen und Bildung. 

  • In den vergangenen Jahren sind viele Syrer:innen in Deutschland eingebürgert worden. Sie zählen dadurch in Statistiken nicht mehr als „syrische Staatsbürger“ sondern als „Menschen mit Einwanderung“. Dies ist bei der Betrachtung von Statistiken zu beachten.  

  • Mit Rückblick auf die Ausgangssituation 2015/2016, als in Deutschland über eine Million vor dem fürchterlichen Krieg in Syrien geflüchtete Menschen aufgenommen und ihnen Schutz geboten wurde, können wir sagen, dass dies trotz allen Herausforderungen eine große humanitäre Geste und Leistung war.  

  • Ein Teil der in Deutschland lebenden und aus Syrien stammenden Menschen möchte nach Syrien zurückkehren und beim Wiederaufbau helfen – dann, wenn sie in Sicherheit leben und sich ihren Lebensunterhalt verdienen können.  

  • Wenn wir in Deutschland und Europa auf Dauer eine humanitäre und menschenrechtsbasierte Politik wollen, dann sollten wir versuchen, negativen Narrativen positive Erzählungen und Erfahrungen gegenüberzustellen, um das gesellschaftliche Klima zu drehen. Das bedeutet, konkret Begegnungen fördern. Und auf Grundlage von geprüften Fakten zu diskutieren. 

  • Zivilgesellschaftliche und kirchliche Akteure können die Bundesregierung drängen, eine freie Entscheidung der Syrer:innen über ihre Rückkehr zu ermöglichen, Erkundungen zu erlauben, ohne dass sie ihren Status verlieren; und weiterhin den Wiederaufbau Syriens zu fördern und dies an Bedingungen zu knüpfen wie die Garantien für Minderheitenrechte, Frauenrechte, Religionsfreiheit und demokratische Ausgestaltung.  

  • Diese Art von Zusammenarbeit kann und soll gut sichtbar zeigen, dass ein freundschaftliches Verhältnis und eine Begegnung auf Augenhöhe Vorteile für alle bringt – gerade auch für Deutschland und die EU.  

 

Beteiligte  
Der Abend wurde gestaltet von Khalil Abbas, Student an der Universität Bonn für Politik, Gesellschaft und Wirtschaftswissenschaften; Mohamed Dawod, Syrmania Assembley e.V.; Thomas Meinhardt, Co-Vorsitzender von pax christi Rhein-Main;  Hanna Teschner, Friedensreferentin bei pax christi Rhein-Main; Dr. Thomas Wagner, Studienleitung Referat Arbeit und Soziales in der Einen Welt, Akademie Haus am Dom; Dr. Daniela Kalscheuer, Studienleitung Interkulturelles und Zeitgeschichte, Akademie Haus am Dom. Die Veranstaltung wurde unterstützt von der Katholischen Erwachsenenbildung KEB Hochtaunus und dem Fachteam Gesellschaftliche Verantwortung des Bistums Limburg.