Nachricht

jung – dynamisch – chancenlos?!

pax christi-Lahnstein engagiert sich im Begegnungsprojekt mit dem Kosovo

Seit elf Jahren begleitet die Lahnsteiner pax christi-Gruppe gemeinsam mit den Arnsteiner Patres ein Begegnungsprojekt von deutschen und kosovarischen Jugendlichen. Über die Jahre ist eine lebendige Partnerschaft zwischen den katholischen Kirchengemeinden Lahnsteins, St. Barbara und St. Martin, und der Gemeinde St. Katharina in Peja/Kosovo entstanden. Völkerverständigung konkret, so könnte das Motto der gegenseitigen Besuchsfahrten der 14-bis 23-Jährigen lauten. In diesem Jahr stand ein Besuch der Kosovaren in Deutschland auf dem Programm.

Elf Jugendliche aus Peja haben an der Jugendbegegnung teilgenommen, insgesamt waren etwa 30 Personen dabei – neben den deutschen Gastgebenden auch afghanische und tschetschenische Flüchtlinge. Das Hauptthema war die Frage nach den Entwicklungschancen, die zwischen jungen Menschen im Kosovo und in Deutschland so unterschiedlich sind. Die politische Isolierung des Balkan-Staates führt für viele Jugendliche aus dem Kosovo dazu, dass sie trotz guter Ausbildung kaum Berufschancen sehen. Viele von ihnen werden versuchen, ein Studium oder eine Berufsphase im Ausland einzulegen.

Das Programm des Besuchs war sehr vielfältig. Besonders bedeutsam waren Besuche im Altenheim St. Martin, Oberlahnstein, und in der Caritas-Werkstatt, Niederlahnstein, wo die Gruppe alten und behinderten Menschen begegnete, die trotz der Einschränkungen so viel Lebensfreude ausgestrahlt haben, dass die kosovarischen Besucher beeindruckt waren. Leider gibt es im Kosovo kaum solche Möglichkeiten, alte und behinderte Menschen zu begleiten.

Das Jugendzentrum in Peja, bei dem sich die Kosovaren ehrenamtlich engagieren, will christliche und muslimische, albanische, serbische und Roma-Jugendliche miteinander in Freundschaft und Frieden verbinden. Bei den Gesprächen mit Vertretern des Bistums Limburg und des Landes Rheinland-Pfalz wurde deutlich, wie wichtig und dringend diese Aufgabe ist.

In diesem Jahr wurde besonders der interreligiöse Dialog gesucht – dazu gehörten die Auseinandersetzungen mit dem Schicksal der Juden in Deutschland während der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft und dem Schicksal der Jesiden in Syrien und im Irak, die gerade einer terroristischen Verfolgungssituation ausgesetzt sind. Sowohl das jüdische wie auch das jesidische Schicksal zeigten, dass das Gespräch zwischen den Religionsgemeinschaften besonders wichtig ist, damit wahrer Friede und Gerechtigkeit möglich werden – und welche Chancen für die Versöhnung und die Stiftung von Frieden in den verschiedenen Religionen stecken. Das Treffen hat allen Beteiligten gezeigt, dass es wichtig ist, sich auch weiter für Frieden und Gerechtigkeit zu engagieren – auch über die Grenzen von Nationalität, Volkszugehörigkeit und Religion hinweg.

Autor Ludger Widmaier SSCC ist Seelsorger an der Citykirche in Koblenz und lebt im dortigen Konvent der Arnsteiner Patres, in dem auch das pax christi-Mitglied Wolfgang Jungheim SSCC wohnt. Beide engagieren sich in dem Begegnungsprojekt von Anfang an. Sein vorliegender Artikel erscheint in der <link internal-link internal link in current>pax christi-Zeitschrift 3/2016.