pax christi-Regionaltag in Worms
„Hier stehe ich und kann nicht anders. Gott helfe mir! Amen.“ Diese Worte werden dem Reformator Martin Luther zugeschrieben. Vermutlich hat er sie so auf dem Reichstag in Worms am 17. April 1521 nie gesagt, aber sie sind populär und wurden prägend für die protestantische Tradition. Luther stand damals vor Kaiser Karl V., um sich für seine Schriften zu rechtfertigen.
Martin Luther sowie der heilige Martin von Tours – sozusagen der „doppelte Martin“ – standen im Mittelpunkt des pax christi-Regionaltages am 23. September 2023 in Worms, an dem rund 20 interessierte Mitglieder teilnahmen. Sie erlebten einen beeindruckenden Tag, den die Basisgruppe Worms gewissenhaft vorbereitet hatte.
Beide Martins blieben ihrem Gewissen treu und wagten die Auseinandersetzung mit der jeweils höchsten staatlichen Autorität, dem Kaiser. Martin von Tours verweigerte als römischer Soldat im 4. Jahrhundert in Worms vor dem römischen Kaiser Julian den Kriegsdienst. Martin Luther weigerte sich, vor dem deutschen Kaiser Karl V. seine Glaubensüberzeugungen zu widerrufen. Beide lehnten sich so gegen Unrecht für die Freiheit des Gewissens auf.
Der Regionaltag begann mit einem Wortgottesdienst in der Martinskirche. Der Überlieferung nach steht die Kirche genau an der Stelle des Kerkers, in den Martin von Tours wegen seiner Kriegsdienstverweigerung geworfen wurde. Nach dem Gottesdienst erklärte uns Heide Denig, Mitglied der pax christi-Gruppe Worms und ausgebildete Stadtführerin, Architektur und Ausgestaltung der Kirche. Anschließend ging es zum Mittagessen im Haus am Dom, vorbei am „Wormser Schicksalsrad“, einem monumentalen Bronzerad des Wormser Künstlers Günter Nonnenmacher. Auf der historischen Seite sind für Worms bedeutende Ereignisse dargestellt, auf der Rückseite ist der Alltag des Gemeinschaftslebens zu finden.
Heide Denig, verkleidet als mittelalterliche Bürgerin, begleitete anschließend die Gruppe durch den Wormser Dom und führte sie dann zu jener Stelle, an der Luther dem Kaiser von Angesicht zu Angesicht widerstand. Letzte Station war dann das Luther-Denkmal, das weltweit größte Reformationsdenkmal.
Mit einem Abschlussgespräch bei Kaffee und Kuchen, Gebet und Segen ging ein beeindruckender Regionaltag zu Ende. Ein großer Dank gilt der pax christi-Basisgruppe für die große Gastfreundschaft, gute Vorbereitung – und ein besonderer Dank an Heide Denig für die anschauliche Verkörperung historischer Gestalten.
Alois Bauer













