Die Lage im Sudan
Die Lage im Sudan und unsere Aktivitäten
Online-Podiumsgespräch
über Handlungsmöglichkeiten von Bundesregierung und Zivilgesellschaft in Deutschland vom 13. April 2026.
Der nun schon drei Jahre andauernde Krieg im Sudan gilt laut den Vereinten Nationen als die derzeit größte humanitäre Katastrophe der Welt. Dennoch taucht die Lage im Sudan nur gelegentlich in unseren Medien auf.
Wir haben mit dieser Veranstaltung einen Eindruck von der Lebenssituation der Menschen, den Hintergründen des Krieges und den treibenden Gewaltakteuren und ihren internationalen Unterstützern gewinnen wollen.
Im Mittelpunkt standen die Möglichkeiten von Politik und Zivilgesellschaft in Deutschland, das Leid der Bevölkerung zu lindern und bei der Initiierung von Friedensprozessen zu helfen.
Moderiert wurde das Podium von Mirjam Meinhardt (ZDF Redakteurin und Moderatorin). Sie begrüßte, im Namen der Katholischen Akademie Rabanus Maurus im Haus am Dom, des Regionalverbands pax christi Rhein-Main und der Deutschen Sektion von pax christi, die Podiumsteilnehmenden: Frau Hager Ali, die als Senior Analyst bei Middle East Minds, Sudanexpertin und Wissenschaftlerin am Giga-Institut in Hamburg arbeitet; Frau Hind Altaif, eine Vertreterin des sudanesischen Netzwerkes »Emergency Response Rooms«, die 2025 den Alternativen Friedensnobelpreis gewannen; Frau Anna Lührmann, die derzeit Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Main-Taunus und Vorsitzende von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN Hessen ist und ehemals sowohl Staatsministerin im Auswärtigen Amt war, sowie von 2009 bis 2011 selbst im Sudan gelebt hat; und Martin Keßler, den Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe. Für Frau Altaif übersetzte Mohamed Saleh.
► Die gesamte Veranstaltung können Sie unten oder direkt auf YouTube über den Kanal des Haus am Doms sehen.

Appell an die hessischen und rheinlandpfälzischen Bundestags- und Europaabgeordneten
"Unterstützen Sie die Zivilgesellschaft, sanktionieren Sie die Kriegsfinanziers"
Der pax christi Regionalverband Rhein-Main hat gemeinsam mit dem KAB-Diözesanverband Limburg alle hessischen und rheinlandpfälzischen Bundestags- und Europaabgeordneten der demokratischen Parteien persönlich angeschrieben und sie gebeten, sich persönlich für ein Ende des fürchterlichen Krieges im Sudan einzusetzen. Auch wenn die EU und Deutschland den Krieg nicht einfach beenden können, so können sie doch erheblich mehr tun, und ihr politisches und wirtschaftliches Gewicht für Frieden, den Schutz der grundlegenden Menschenrechte und eine demokratische Zukunft des Sudans einsetzen.
Wir bitten alle pax christi Mitglieder und Freund:innen sich auch persönlich bei den Abgeordneten Ihres Wahlkreises dafür einzusetzen, insbesondere die sudanesische zivilgesellschaftlichen Organisationen zu unterstützen sowie sich für eine materielle Versorgung der großen Flüchtlingslage im Sudan und seinen Nachbarstaaten zu verwenden.
Der Brief als PDF
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Antworten aus dem Deutschen Bundestag
Antwort von Deborah Düring
Antwort von Deborah Düring – Grünen-Bundestagsabgeordnete (Mitglied des Auswärtigen Ausschusses und des Finanzausschusses)
Vielen Dank für Ihre E-Mail. Im Sudan spielt sich seit Jahren eine humanitäre Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes ab. Zu Zeiten der Ampelregierung hat sich sowohl die Menschenrechtsbeauftragte als auch die Außenministerin immer wieder darum bemüht, auf den Konflikt aufmerksam zu machen und an einer Lösung zu arbeiten (https://www.tagesschau.de/ausland/afrika/baerbock-sudan-konflikt-100.html).
Angesichts der Eskalation der Gewalt haben wir Grüne im Bundestag am 07.11.25 eine Aussprache im Rahmen einer Aktuellen Stunde beantragt und auf das unermessliche Leid hingewiesen. Die Rede unserer Abgeordneten und früheren Menschenrechtsbeauftragten, Luise Amtsberg, können Sie hier nachverfolgen: https://www.bundestag.de/mediathek/video?videoid=7644044 Außerdem haben wir im Bundestag am 04.12.25 unseren Antrag "Deutschlands Verantwortung im Sudan - Humanitäre Hilfe stärken, Zivilbevölkerung schützen sowie Waffen- sowie Finanzströme konsequent eindämmen" zur Abstimmung gestellt. Die Bundesregierung wurde unter anderem aufgefordert, sich aktiv für einen Waffenstillstand sowie für die konsequente Umsetzung des bestehenden EU-Waffenembargos einzusetzen. Darüber hinaus forderten wir weitreichende Sanktionen gegenüber den beiden Kriegsparteien und gegen Netzwerke in den Unterstützerstaaten. Dazu gehört auch Druck auf Drittstaaten auszuüben, jede Form der Unterstützung für Kriegsparteien zu unterlassen, die zu Verstößen gegen das humanitäre Völkerrecht oder die Menschenrechte beitragen könnte (https://dserver.bundestag.de/btd/21/030/2103037.pdf).
Wir werden uns weiterhin mit Nachdruck für ein Ende des Krieges, die konsequente Umsetzung des Waffenembargos und humanitäre Hilfe für die leidende Zivilbevölkerung einsetzen und sind dankbar, Sie in dieser Frage an unserer Seite zu wissen.
Mit freundlichen Grüßen
Deborah Düring
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Antwort von Boris Mijatović
Antwort von Boris Mijatović – Grünen-Bundestagsabgeordneter (Vorsitzender des Unterausschusses Internationale Ordnung, Vereinte Nationen und internationale Organisationen | Mitglied im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe; des Auswärtigen Ausschusses; des Unterausschusses für Internationale Ordnung, Vereinte Nationen und internationale Organisationen)
Vielen Dank für Ihre eindringliche Zuschrift zur katastrophalen Lage im Sudan und insbesondere zu den schweren Kriegsverbrechen in Darfur.
Herr Boris Mijatović teilt Ihre Einschätzung, dass die Bundesregierung angesichts des Ausmaßes der Gewalt, des Hungers und der systematischen Angriffe auf die Zivilbevölkerung bislang nicht mit der notwendigen Konsequenz handelt. Die Berichte aus Al-Faschir und aus den Flüchtlingslagern im Tschad machen auf erschütternde Weise deutlich, dass der Krieg im Sudan längst eine humanitäre Katastrophe historischen Ausmaßes ist und dringend entschlossenes politisches Handeln erfordert.
Als Obmann der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe hat Herr Mijatović bereits mehrfach öffentlich sowie nicht-öffentlich kritisiert, dass der politische Druck auf die Kriegsparteien und ihre externen Unterstützer bislang unzureichend ist. Insbesondere die Rolle der Vereinigten Arabischen Emirate als zentraler Unterstützer der RSF-Miliz wird von ihm öffentlich benannt. Aus seiner Sicht ist es nicht akzeptabel, dass Staaten, die diesen Krieg maßgeblich befeuern, weiterhin primär als „strategische Partner“ behandelt werden (https://www.fr.de/politik/konflikt-gruene-fordern-engagement-deutschlands-im-sudan-94038796.html).
Herr Mijatović fordert daher ein deutlich konsequenteres Vorgehen der Bundesregierung und der EU. Dazu gehören ein wirksames und lückenloses Waffenembargo gegenüber allen am Sudan-Krieg beteiligten Akteuren, verbindliche Transparenzpflichten für Rüstungsexporte und Reexporte, insbesondere in und aus den VAE, sowie die Offenlegung von Flugaufzeichnungen, Frachtlisten und Endverbleibserklärungen. Nur so lassen sich bestehende Schlupflöcher schließen, über die der Krieg weiter mit Waffen und Ressourcen versorgt wird (https://taz.de/Krieg-im-Sudan/!6127618/).
Darüber hinaus hält Herr Mijatović die Kürzungen im Bereich der humanitären Hilfe für politisch falsch und moralisch nicht vertretbar. Dass die Mittel für humanitäre Hilfe insgesamt und auch für den Sudan im Bundeshaushalt deutlich reduziert wurden, bezeichnet er als skandalös; gerade angesichts von Millionen Vertriebenen, massiver Unterernährung und gezielten Angriffen auf humanitäre Versorgung. Deutschland muss seiner internationalen Verantwortung gerecht werden und die Unterstützung für die betroffene Zivilbevölkerung sowie für die Aufnahmeländer der Geflüchteten deutlich ausbauen. Dies hat er auch in der aktuellen Stunde zur Lage im Sudan, die auf Druck der Grünen Bundestagsfraktion im deutschen Bundestag stattgefunden hat, betont (https://www.boris-mijatovic.de/2025/11/10/rede-im-deutschen-bundestag-vom-07-november-2025-aktuelle-lage-im-sudan/).
Wir danken Ihnen ausdrücklich für Ihr Engagement und dafür, dass Sie den Druck auf Politik und Öffentlichkeit aufrechterhalten.
Mit freundlichen Grüßen
Miriam Laux
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Antwort von Mechthild Heil
Antwort von Mechthild Heil - CDU-Bundestagsabgeordnete (Vorsitzende des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe | Mitglied im Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen)
Vielen Dank für Ihre Mail. Für uns im Menschenrechtsausschuss und auch für die Bundesregierung hat der Sudan als Land mit der größten humanitären Krise weltweit politisch und humanitär in Afrika hohe Priorität.
So haben Mitglieder des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe bereits im vergangenen Jahr eine Erklärung zum Sudan abgegeben, in der sie die "Bemühungen der Bundesregierung für eine Waffenruhe, den Schutz der Zivilbevölkerung, den ungehinderten und sicheren Zugang zu humanitärer Hilfe und für einen zivilen Übergangsprozess nachdrücklich" unterstützen und die Konfliktparteien auffordern, sich an die Einhaltung des humanitären Völkerrechts zu halten. (https://www.bundestag.de/ausschuesse/a17_menschenrechte/erklaerungen/20251113-sudan-1126646)
Mit 157 Millionen Euro war Deutschland auch 2025 einer der größten humanitären Geber. Staatsministerin Güler hat als erste westliche Politikerin im Oktober 2025 Port Sudan besucht, um für einen sofortigen Waffenstillstand zu werben und auf bessere humanitäre Zugänge zu drängen. Für sudanesische Flüchtlinge in den Nachbarländern wurden im Jahr 2025 im Rahmen der humanitären Hilfe sudanesische Flüchtlinge und Rückkehrer, die vor dem Konflikt im Sudan fliehen, mit insgesamt rd. 87,88 Mio. Euro, davon 33,55 Mio. Euro für humanitäre Maßnahmen im Südsudan, 16,61 Mio. Euro im Tschad, 26,31 Mio. Euro in Äthiopien, 9,74 Mio. Euro in der Zentralafrikanischen Republik und 1,67 Mio. Euro in Libyen zu Verfügung gestellt. Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit werden in den Nachbarländern des Sudan (Südsudan, Tschad, Uganda, Äthiopien) Vorhaben umgesetzt, welche die regionalen Auswirkungen der Sudan-Krise adressieren. Dabei gehören sudanesische Flüchtlinge zusammen mit Aufnahmegemeinden sowie Flüchtlinge aus weiteren Ländern zur Zielgruppe.
Die Bundesregierung hat sich von Beginn des Konfliktausbruchs an innerhalb der EU dafür eingesetzt, Entitäten, die den Kriegsparteien zur Finanzierung des Krieges dienen, und relevante Vertreter der Konfliktparteien zu sanktionieren. Zuletzt hat die EU im Juli 2025 neue Sanktionen gegen je zwei Individuen und zwei Entitäten auf Seiten der Sudanesischen Armee (Sudanese Armed Forces, SAF) und der Rapid Support Forces (RSF) beschlossen. Bei den Entitäten handelt es sich auch um Firmen, die bei der Beschaffung und Herstellung von Waffen involviert sind. Gegenüber den Mitgliedern des VN-Sicherheitsrats setzt sich die Bundesregierung regelmäßig, zuletzt im Vorfeld der Verlängerung am 12. September 2025, für eine Verlängerung des VN-Sanktionsregimes ein.
Die Bundesregierung setzt sich für die Einhaltung des VN-Waffenembargos für Darfur ein. Waffenlieferungen an andere Länder zum Beispiel an die VAE unterliegen der Exportkontrolle und werden als sicherheitspolitisches Instrument im Einzelfall abgewogen. Berichte, wonach Ressourcen zur Unterstützung der Konfliktparteien durch verschiedene externe Akteure nach Sudan gelangen, darunter auch militärische Unterstützung, sind bekannt. In der Erklärung der Quad vom 12. September 2025 wurde ein Ende der militärischen Unterstützung der Konfliktparteien durch externe Akteure vereinbart. Auch in der Declaration of Principles der Sudankonferenz am 15. April 2024 in Paris haben sich alle Teilnehmer, einschließlich der Quad-Mitglieder, dafür ausgesprochen, dass militärische Unterstützung für die Kriegsparteien von außen unterbleiben muss. Dafür setzt sich die Bundesregierung nachdrücklich ein.
Der Re-Export deutscher Rüstungsgüter aus Drittstaaten in andere Drittstatten bedarf grundsätzlich der Zustimmung der Bundesregierung. Die Bundesregierung erwartet die Einhaltung entsprechender Verpflichtungen. Bei Nichtbeachtung kann ein Empfängerland gemäß den Vorgaben aus den Politischen Grundsätzen von einer Belieferung mit weiteren Kriegswaffen und kriegswaffennahen sonstigen Rüstungsgütern ausgeschlossen werden.
Im Einklang mit den Politischen Grundsätzen der Bundesregierung für den Export von Kriegswaffen und sonstigen Rüstungsgütern werden Genehmigungen für die Ausfuhr von Rüstungsgütern nur erteilt, wenn der Endverbleib dieser Güter im Empfängerland sichergestellt ist. Vor der Erteilung einer Genehmigung werden von der Bundesregierung alle vorhandenen Informationen, insbesondere hinsichtlich eines gesicherten Endverbleibs, umfassend geprüft und bewertet. Wenn Zweifel am gesicherten Endverbleib beim Empfänger bestehen, werden Ausfuhranträge abgelehnt. Die Prüfung des Endverbleibs vor Erteilung der Ausfuhrgenehmigung entspricht dem in der EU üblichen System und ist als wirksames Kontrollinstrument anerkannt. Seit 2015 besteht überdies die Möglichkeit von Vor-Ort-Kontrollen (Post-Shipment-Kontrollen) des Verbleibs von bestimmten, aus Deutschland gelieferten Rüstungsgütern. Bislang wurde eine entsprechende Vor-Ort-Kontrolle in den Vereinigten Arabischen Emiraten durchgeführt. Die Kontrolle verlief ohne Beanstandungen.
Um die Friedensbemühungen weiter voranzubringen, wird Deutschland rund um den Jahrestag des Kriegsausbruchs im Frühjahr dieses Jahres die dritte internationale Sudankonferenz in Berlin ausrichten. 2024 fand diese in Paris statt, im vergangenen Jahr in London.
Mit freundlichen Grüßen
Mechthild Heil
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Antwort von Klaus-Peter Willsch
Die Antwort von Klaus-Peter Willsch - CDU-Bundestagsabgeordneter (Mitglied im Haushaltsausschuss | Mitglied im Vertrauensgremium)
Vielen Dank für Ihr Schreiben und die eindringliche Schilderung der dramatischen Lage im Sudan.
Unabhängig von der medialen Wahrnehmung wird die Situation im Sudan im Deutschen Bundestag seit vielen Monaten kontinuierlich und intensiv behandelt. Der Auswärtige Ausschuss befasst sich trotz einer sehr engen Tagesordnung nahezu in jeder Sitzung mit der Lage vor Ort. Auch die CDU/CSU-Fraktion lässt sich hierzu regelmäßig und umfassend von der Bundesregierung unterrichten. Die Rolle externer Akteure, darunter auch die der Vereinigten Arabischen Emirate, ist bekannt. Dieses Thema wurde unter anderem durch den Außenminister, Wadephul, auch im Rahmen seiner Ostafrikareise wiederholt angesprochen.
Gleichzeitig wird seitens der Bundesregierung versucht, politischen Einfluss unmittelbar geltend zu machen. So ist die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Serap Güler, nach ihrer Reise in den Sudan im Oktober unmittelbar weiter in die Vereinigten Arabischen Emirate gereist. In Abu Dhabi wurden die Gespräche zur Lage im Sudan fortgesetzt, verbunden mit der Erwartung, dass die VAE ihren Einfluss auf die Rapid Support Forces nutzen, um weitere Gewalt und Kriegsverbrechen zu verhindern. Dabei wurde auch der Austausch mit den Vereinigten Staaten sowie den weiteren Partnern im Rahmen der sogenannten Quad-Gespräche einbezogen. Dieses Vorgehen unterstreicht, dass die Bundesregierung den Dialog mit allen relevanten Akteuren sucht und bestehende Kanäle nutzt, um Einfluss auf das Geschehen vor Ort zu nehmen.
Die Lage im Sudan verdeutlicht in dramatischer Weise, wie komplex internationale Konflikte sind und wie begrenzt zugleich die unmittelbaren Einflussmöglichkeiten von außen sein können. Ziel bleibt ein abgestimmtes internationales Vorgehen, das politischen Druck wirksam einsetzt und zu realen Fortschritten beiträgt.
Vielen Dank für Ihr Engagement und Ihre Hinweise.
Mit freundlichen Grüßen
Klaus-Peter Willsch
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Antwort von Matthias Mieves
Antwort von Matthias Mieves – SPD-Bundestagsabgeordnete (Sprecher der SPD-Landesgruppe Rheinland-Pfalz)
Vielen Dank für Ihre E-Mail zur humanitären Katastrophe im Sudan, die Sie an die Abgeordneten der Landesgruppe Rheinland-Pfalz in der SPD-Bundestagsfraktion gerichtet haben. Daher antworte ich Ihnen als Sprecher unserer Landesgruppe im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen. Zugleich bitte ich die verspätete Antwort zu entschuldigen.
Die Kämpfe im Sudan haben zu der derzeit größten humanitären Katastrophe weltweit geführt. Über 11,5 Millionen Menschen sind auf der Flucht, davon rund 4,3 Millionen in Nachbarländer. Mehr als 21 Millionen Menschen leiden unter akutem Hunger. Frauen und Kinder sind von sexualisierter Gewalt betroffen und sehr viele leiden unter Krankheiten wie Cholera. Für das Leid der Bevölkerung stehen symbolisch die ethnischen Säuberungen und die dramatische Eskalation der Gewalt in El Fasher.
Die Auswirkungen des Konflikts beschränken sich jedoch nicht auf den Sudan selbst. Der Bürgerkrieg und die humanitäre Krise destabilisieren die gesamte Region am Horn von Afrika. So sind Hunderttausende Menschen in den benachbarten Tschad geflohen, was das ohnehin fragile Land vor enorme Herausforderungen stellt.
Auch innerhalb der SPD-Bundestagsfraktion und der Bundesregierung wird die Situation im Sudan intensiv beraten. Deutschland hat finanziell Verantwortung übernommen: Die auf der London-Konferenz 2025 zugesagten 125 Millionen Euro für humanitäre Hilfe im Sudan und in den Nachbarstaaten wurden auf 141 Millionen Euro erhöht.
Gleichzeitig ist uns bewusst, dass eine nachhaltige und friedliche Lösung des Konflikts nur durch eine internationale Initiative erreicht werden kann. Der Schutz der Zivilbevölkerung muss dabei oberste Priorität haben. Im September 2025 wurde durch das sogenannte Quartett – bestehend aus den USA, Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien – eine Vereinbarung ausgehandelt, die unter anderem einen Waffenstillstand, humanitären Zugang sowie die Perspektive eines zivilen Übergangs im Sudan vorsah. Leider konnte dieses Format die weitere Eskalation, insbesondere in El Fasher, bislang nicht verhindern.
Daher vertreten viele Kolleginnen und Kollegen innerhalb meiner Fraktion die Auffassung, dass der internationale Druck, insbesondere auf die Vereinigten Arabischen Emirate, erhöht werden sollte, um Fortschritte auf dem Weg zu einer friedlichen Lösung für den Sudan zu erreichen.
Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Matthias Mieves
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Antworten aus dem Europäischen Parlament
Antwort von Engin Eroglu
Die Antwort von Engin Eroglu – Abgeordneter des Europäischen Parlaments (Freie Wähler / Fraktion Renew Europe)
Vielen Dank für Ihr wichtiges Schreiben. Die Lage im Sudan ist erschütternd und erfordert in der Tat entschlossenes Handeln.
Ich möchte Ihnen versichern, dass sich Engin Eroglu innerhalb der Renew Europe Fraktion bereits aktiv dafür eingesetzt hat, die Destabilisierung afrikanischer Staaten durch die Wagner-Gruppe (bzw. das russische Afrika-Korps) zu stoppen.
Das Europäische Parlament hat in seiner aktuellen Entschließung eine klare Position bezogen, die Herr Eroglu und die FREIEN WÄHLER vollumfänglich unterstützen:
• Externer Druck: Wir fordern ein Ende der Waffenlieferungen durch Drittstaaten wie die VAE, Ägypten und Saudi-Arabien. „Partnerstatus“ darf kein Freibrief für die Unterstützung von Kriegsverbrechen sein.
• Zivilgesellschaft stärken: Die Unterstützung lokaler Helfer, insbesondere der „Emergency Response Rooms“, muss Priorität vor diplomatischer Symbolpolitik haben.
• Humanitäre Korridore: Wir fordern die EU-Kommission auf, gemeinsam mit der Afrikanischen Union gesicherte Zugänge für Hilfe durchzusetzen.
Es ist inakzeptabel, dass wirtschaftliche Interessen über das Leben von Millionen Menschen gestellt werden. Wir fordern von der EU, endlich wirksamen politischen und wirtschaftlichen Druck auf die unterstützenden Staaten auszuüben.
Das Europäische Parlament wird sich weiterhin dafür einsetzen, dass der Sudan nicht von der politischen Agenda verschwindet.
Mit freundlichen Grüßen
Matthias Hackler für Herrn Eroglu
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Antwort von Christine Schneider
Die Antwort von Christine Schneider – Abgeordnete des Europäischen Parlaments (Parlamentarische Geschäftsführerin der CDU/CSU-Gruppe / Fraktion der Europäischen Volkspartei)
Vielen Dank für Ihr Schreiben und Ihr eindringliches Engagement angesichts der dramatischen Lage im Sudan.
Seit April 2023 erleben wir dort eine der schwersten humanitären Krisen unserer Zeit. Insbesondere die Gewalt in Darfur weist Züge systematischer Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung auf. Das Leid der Menschen, die massive Vertreibung sowie der eingeschränkte Zugang zu humanitärer Hilfe sind in keiner Weise hinnehmbar.
Sie haben Recht, der Krieg im Sudan ist längst kein rein innerstaatlicher Konflikt mehr. Er wird durch externe Akteure, geopolitische Interessen und den Zugriff auf Rohstoffe zusätzlich angeheizt. Zugleich ist die Beweislage zu konkreten Waffenlieferungen einzelner Drittstaaten komplex. Zwar existieren gewichtige Hinweise und Berichte internationaler Organisationen und UN-Experten, doch fehlen bislang in vielen Fällen gerichtsfeste, völkerrechtlich eindeutige Feststellungen, die Voraussetzung für weitergehende Maßnahmen, wie umfassende Waffenembargos, wären.
Unabhängig davon steht für mich fest, wer zur Verlängerung dieses Krieges beiträgt, trägt Verantwortung für das Leid der Zivilbevölkerung. Deshalb unterstütze ich gezielte Sanktionen gegen Verantwortliche auf allen Seiten des Konflikts und setze mich dafür ein, dass bestehende Instrumente konsequent angewandt und, wo möglich, ausgeweitet werden.
Die Rolle der Europäischen Union ist im Sudan-Konflikt realistisch begrenzt. Die EU ist keine führende Mediatorin, leistet aber wichtige Beiträge durch diplomatischen Druck, humanitäre Hilfe und restriktive Maßnahmen. Seit 2023 hat die EU gezielte Sanktionen gegen Personen und Einrichtungen verhängt und mehr als 270 Millionen Euro an humanitärer Unterstützung bereitgestellt. Diese Hilfe muss weiter ausgebaut und der Zugang für Hilfsorganisationen dringend gesichert werden.
Das Europäische Parlament hat seit Beginn des Krieges mehrfach deutlich Stellung bezogen. In drei Resolutionen haben wir Waffenstillstände gefordert, vor einem drohenden Völkermord gewarnt, Sanktionen verlangt und die massive Unterstützung der Zivilbevölkerung angemahnt. Als Parlament sind wir häufig die lauteste Stimme, auch wenn unsere Durchsetzungsmöglichkeiten gegenüber Exekutiven und Drittstaaten begrenzt sind.
Besonders wichtig ist mir die Rolle der sudanesischen Zivilgesellschaft. Initiativen wie die Emergency Response Rooms leisten unter extremen Bedingungen lebensrettende Arbeit. Ich unterstütze ausdrücklich, dass diese Akteure stärker politisch einbezogen und finanziell unterstützt werden müssen, sowohl im Sudan selbst als auch in den Nachbarländern, die Millionen Geflüchtete aufgenommen haben.
Ich teile Ihre Auffassung, dass humanitäre Korridore und eine bessere internationale Koordinierung, insbesondere mit der Afrikanischen Union, den USA und den Vereinten Nationen, dringend notwendig sind. Hier werde ich mich weiterhin dafür einsetzen, dass humanitäre Prinzipien Vorrang vor geopolitischen Interessen erhalten.
Mit freundlichen Grüßen
Christine Schneider
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Antwort von Michael Gahler
Die Antwort von Michael Gahler – Abgeordneter des Europäischen Parlaments (CDU / Fraktion der Europäischen Volkspartei)
Vielen Dank für Ihr ausführliches und engagiertes Schreiben zur Lage im Sudan. Sie sprechen zentrale Punkte an, die auch aus meiner Sicht den Kern dieses Konflikts betreffen.
Seit April 2023 hat sich der Krieg im Sudan global betrachtet zur derzeit schwerwiegendsten humanitären Katastrophe entwickelt. Insbesondere die Gewalt in Darfur weist auf systematische ethnische Verfolgung und schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit hin. Dass dieses Geschehen erst spät breitere mediale Aufmerksamkeit erfährt, steht in einem bedrückenden Missverhältnis zum Ausmaß des menschlichen Leids.
Der Konflikt ist längst kein rein innerstaatlicher Machtkampf mehr, sondern trägt deutliche Züge eines Proxy-Krieges. Weder die sudanesischen Hauptkriegsakteure noch ihre externen Unterstützer zeigen derzeit ein ernsthaftes Interesse an einer Beendigung der Gewalt. Der Zugang zu Gold, Rohstoffen und strategischen Einflusszonen – insbesondere am Roten Meer – trägt maßgeblich zur Verlängerung des Krieges bei.
Richtig ist auch: Die Rolle der Europäischen Union ist begrenzt. Deutschland und die EU bewegen sich außenpolitisch in einem Spannungsfeld zwischen wertegeleiteter Politik und gewichtigen wirtschafts- und sicherheitspolitischen Interessen, insbesondere gegenüber Partnerstaaten im arabischen Raum. Diese Interessen dürfen jedoch nicht dazu führen, dass schwerste Menschenrechtsverletzungen politisch ausgeblendet oder relativiert werden.
Zu den ausländischen Akteuren ist eine differenzierte Betrachtung notwendig. Es existieren derzeit keine gerichtsfesten, unumstrittenen Beweise, die Waffenlieferungen einzelner Staaten zweifelsfrei belegen. Gleichzeitig liegen belastbare Indizien sowie Berichte von UN-Expertengremien, Nichtregierungsorganisationen und Nachrichtendiensten vor, die auf eine substanzielle externe Unterstützung der Kriegsparteien hindeuten. Dies betrifft neben der Rolle Russlands – insbesondere durch das Afrikacorps – auch regionale Akteure, darunter die Vereinigten Arabischen Emirate, gegen die entsprechende Vorwürfe wiederholt erhoben wurden und die Gegenstand laufender internationaler Bewertungen sind. Ebenso ist der zunehmende Einfluss Irans als militärischer Unterstützer der sudanesischen Streitkräfte seit Ende 2023 ein relevanter Faktor, der stärker berücksichtigt werden muss.
Vor diesem Hintergrund ist nachvollziehbar, dass Forderungen nach umfassenden Waffenembargos auf internationaler Ebene bislang an fehlenden rechtlichen Grundlagen und politischen Mehrheiten scheitern. Ohne hinreichende Beweisführung, insbesondere im Rahmen der Vereinten Nationen, bestehen für Bundesregierung und EU-Kommission nur eingeschränkte Handlungsmöglichkeiten.
Das Europäische Parlament hat dennoch mehrfach versucht, seiner Verantwortung gerecht zu werden. Seit Beginn des Krieges haben wir drei Resolutionen verabschiedet, zuletzt im November 2025 mit großer Mehrheit, in denen vor einem drohenden Völkermord gewarnt, und gefordert wird humanitäre Hilfe auszuweiten und Sanktionen zu verhängen.. Leider ist es dabei nicht gelungen, alle externen Hauptakteure namentlich zu benennen – ein Ausdruck unterschiedlicher politischer Erwägungen, die im Parlament derzeit vorherrschen. Gleichwohl bleibt das Parlament die deutlichste Stimme innerhalb der EU, wenn es um die Benennung von Verantwortung und die Forderung nach Konsequenzen geht.
Ich danke Ihnen für Ihre klare Analyse und Ihr Engagement und versichere Ihnen, dass ich Ihre Anliegen sehr ernst nehme.
Mit freundlichen Grüßen,
Michael Gahler
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Sudan: Wer kämpft gegen wen und warum?
Vortrag der Sudan-Expertin Hager Ali im Haus am Dom
► Den Vortrag als Video finden Sie unten oder direkt über den YouTube-Kanal des Haus am Dom hier.
Am 5. Dezember 2025 haben pax christi Rhein-Main und das Haus am Dom Frankfurt die Sudan-Expertin Hager Ali eingeladen, um herauszufinden was genau im Sudan passiert. Obwohl von Völkermord, Krieg und Hungersnot gesprochen wird, wissen die meisten von uns kaum etwas über den Krieg im Sudan.
Wer kämpft gegen wen, warum, welche Interessen und weiteren Konflikte gibt es? Hager Ali vom German Institute for Global and Regional Area Studies (GIGA) beschäftigt sich schon länger mit genau diesen Fragen. Sie ist Politologin, Hochschuldozentin und Journalistin. Am GIGA forscht und publiziert sie vor allem über aktuelle politische und sicherheitspolitische Entwicklungen im Nahen Osten, Nordafrika, im Sudan und in Afghanistan.
Ihre Schwerpunkte sind die aktuellen Beziehungen zwischen der jeweiligen Zivilgesellschaft und dem Militär, insbesondere die Machtübernahmen durch Militär und die zivile Kontrolle von Streitkräften in autokratischen Regimen und Institutionen, Stabilität und Destabilisation von Parteien und Regimes. Ihre Expertise in genau diesen Themenbereichen brachte Sie in Ihren Vortrag ein. Die Geschichte der verschiedenen Putschversuche und erfolgreichen Machtergreifungen im Sudan erklärt zumindest einen Teil des aktuellen Konflikts. Auch die verschiedenen Konfliktparteien und Hintergründe stellte Sie dem versammelten Publikum im Haus am Dom und auf YouTube vor. So kompliziert die Situation im Sudan auch erscheint, mit dem Hintergrundwissen von Frau Ali wurde die komplexe Lage klarer und die verschiedenen Interessen, sowohl der Parteien vor Ort wie auch von internationalen Akteuren, wurden deutlich herausgearbeitet. Frau Ali stellte sich dabei nicht auf die eine oder andere Seite, sondern hatte vor allem die Lage der Zivilbevölkerung im Blick. In der anschließenden Diskussions- und Fragerunde ging es außerdem um Möglichkeiten der Hilfe und Konfliktlösung, wobei auch klar wurde, dass es keine einfachen Lösungen geben wird.


